Britischer Mobilfunkmarkt: Zusammenschluss von Telekom und France Telecom
zuletzt aktualisiert: 08.09.2009 - 15:42Bonn (RPO). Die Deutsche Telekom holt zum Befreiungsschlag auf dem hart umkämpften britischen Mobilfunkmarkt aus. Ein Zusammenschluss ihrer angeschlagenen Tochter T-Mobile UK mit Orange UK, der Tochter des Konkurrenten France Telecom, soll den Konzernen künftig die Marktführerschaft auf der Insel sichern.
Es seien exklusive Verhandlungen zur Zusammenlegung der beiden Mobilfunktöchter in einem Joint Venture aufgenommen worden, teilten die Unternehmen am Dienstag mit. An dem Bündnis sollen beide Konzerne zu je 50 Prozent beteiligt sein.
Das Gemeinschaftsunternehmen käme den Angaben zufolge auf 28,4 Millionen Kunden, was einem Anteil von 37 Prozent der Mobilfunknutzer auf der Insel entspricht (ohne Kunden von Virgin Mobile, Stand Ende Dezember 2008). "Damit haben wir nach Abwägung aller Möglichkeiten die beste unternehmerische Lösung in dem schwierigen britischen Markt getroffen", sagte Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges. In dem zweitgrößten Markt Europas gebe man T-Mobile UK - bislang die Nummer Vier auf der Insel - so eine klare strategische Zukunft.
Der Umsatz des Bündnisses hätte 2008 bei 9,4 Milliarden Euro (7,5 Milliarden Pfund), das Ebitda bei 2,1 Milliarden Euro (1,7 Milliarden Pfund) gelegen. Durch Synergieeffekte bei Vertrieb, Marketing, Verwaltungs- oder Wartungskosten erwarten die Unternehmen künftig Einsparungen von mehr als 4,0 Milliarden Euro (3,5 Milliarden Pfund).
Gervais Pellissier, Finanzvorstand von France Telecom, erklärte, der neue stark positionierte Player werde nicht nur den Wettbewerb stärken. Auch für die Kunden in Großbritannien bringe der Zusammenschluss zum Beispiel durch eine verbesserte Netzabdeckung zahlreiche Vorteile. Die Marken T-Mobile UK und Orange UK sollen nach Vertragsschluss noch 18 Monate lang weiterbestehen, bevor über eine Unbenennung entschieden wird.
Telekom in Großbritannien unter Druck
Die Telekom hat seit geraumer Zeit Probleme auf dem britischen Markt, auf dem sie mit Vodafone, O2, Orange und Hutchison Whampoa in harter Konkurrenz steht. Der Bonner Telefonriese wechselte unlängst das Management von T-Mobile UK vollständig aus und schrieb 1,8 Milliarden Euro des Firmenwertes ab, was für den Gesamtkonzern zu einem Verlust von 1,1 Milliarden Euro im ersten Quartal 2009 führte.
Anfang Mai erklärte Telekom-Chef René Obermann allerdings, das T-Mobile-Netz in Großbritannien sei erstmals in wettbewerbsfähigen Zustand.
In das neue Joint Venture will die Deutsche Telekom ihre britische Tochter frei von Barmitteln und Schulden einbringen. France Telecom geht dagegen mit einer Nettoverschuldung von 1,25 Milliarden Pfund in die Elefanten-Hochzeit. Auf diese Weise sollen die Wertunterschiede zwischen Orange, der Nummer Drei auf dem britischen Markt, und der deutlich kleineren T-Mobile UK ausgeglichen werden.
Stellenabbau in Großbritannien geplant
Laut Medienbericht will die Telekom bei ihrer britischen Mobilfunktochter im Zuge der Zusammenlegung mit France Télécom Stellen abbauen. Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges nannte im Gespräch mit dem "Handelsblatt" jedoch keine genaue Zahlen. Die beiden Joint-Venture-Partner versprächen sich von der Zusammenführung Synergien in Höhe von umgerechnet vier Milliarden Euro.
Höttges betont demnach, dass aber auch bei einem Verkauf oder im Falle der eigenständigen Weiterentwicklung ein Stellenabbau unvermeidlich gewesen wäre: "Eine Kooperation war nicht unser einziger Plan. Unser neues Management in Großbritannien hat einen Sanierungsplan ausgearbeitet, der vor allem auf reduzierte Kosten und aggressivere Preise setzt. Auf den hätten wir zurückgegriffen, wenn wir uns nicht mit einem Wettbewerber geeinigt hätten."
Vertragsschluss Ende Oktober erwartet
Der Vertragsschluss wird für Ende Oktober erwartet. Außerdem wurde eine eingehende Prüfung der Bücher (Due Diligence) vereinbart. Die gesamte Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom, des Board of Directors von France Telecom sowie der Genehmigung durch die entsprechenden Wettbewerbsbehörden, erklärten die Unternehmen. Letztere werde für das erste Halbjahr 2010 erwartet.
An der Börse kamen die Telekom-Pläne gut an: Die Aktie des Dax-Konzerns stieg zeitweise um bis zu zwei Prozent.
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