Frankreich und Deutschland: Zwei Streiks - zwei Welten
zuletzt aktualisiert: 19.11.2007 - 21:31Paris (RPO). In Frankreich streiken die Eisenbahner. Das tun jüngster Zeit auch deren Kollegen in Deutschland. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Die Unterschiede zwischen der Streikwirklichkeit bei uns und im Nachbarland könnten größer kaum sein.
Zwei Streiks - zwei Welten. Schon die Bilder sprechen Bände. Gähnend leere Bahnhöfe in Deutschland. Massentumulte an den Gleisen in Frankreich. Anarchistische Proteste in Frankreich. Zeitgenaue Ankündigungen in Deutschland. Wir ziehen einen Streikvergleich.
Die Streiks
Chaos in Frankreich. Sieben Gewerkschaften sind an den Streiks beteiligt. Einige sind verhandlungsbereit, andere sind unkontrollierbar. Trotz Signalen der Verhandlungsbereitschaft ging der Streik der Eisenbahner in Frankreich am Montag in die zweite Woche. Widerstand hat im Land der Französischen Revolution Tradition.
Neue Gespräche sind in Deutschland angekündigt. Scheitern auch die droht unbefristeter Streik. Die Bahn verhandelt mit nur einer Gewerkschaft, der Gewerkschaft der Lokführer. Die anderen beiden Arbeitnehmervertretungen Transnet und GDBA haben bereits einen Tarifvertrag abgeschlossen.
Die Bahnhöfe
Auch hier herrscht in Frankreich heilloses Chaos. Auf den Bahnsteigen ist kein Quadratzentimeter mehr frei. Vor allem in Paris drängen sich tausende Menschen. Alle wollen eine Metro erwischen. Fast ist es ein Wunder, dass niemand zu Schaden kommt. Um Paris herum bilden sich am Morgen des sechsten Streiktages rund 240 Kilometer Stau, weil Verbindungen mit Pendlerzügen und der Pariser Innenstadtverkehr stark gestört sind.
Gähnende Leere in Deutschland. Die Menschen haben sich auf die Streiks eingestellt. Das Gedränge zur Rush hour ist nicht schlimmer als sonst. Viele fahren mit dem Auto, in vielen Bundesländern fahren auch weiterhin genügend Züge im Nahverkehr. Dafür staut sich der Verkehr auf den Straßen. Auf den Autobahnen wird es ein Horror-November. Noch mehr Stau als sonst.
Die Stimmung
Die Franzosen haben schon viele Streiks mitgemacht. Bei diesem haben sie die Nase voll. Die Eisenbahner wollen ihre Privilegien nicht verlieren und stemmen sich gegen die geplante Sbschaffung ihrer Frührenten. Dafür haben die meisten Farnzosen kein Verständnis mehr. Am Wochenende kam es zu ersten Gegendemonstrationen. "Stoppt den Streik", riefen Tausende in Paris. Der Streik ist unpopulär.
Anders die Stimmung im Nachbarland. Die meisten Deutschen haben Verständnis für die Forderungen der Lokführer. In Umfragen erzielen sie Sympathiewerte von 50 plus x. "Die sollen sich einigen", heißt es. Von Demonstrationen kann nicht annähernd die Rede sein.
Die Politik
Die französische Bahn gehört dem Staat. Die Regierung verhandelt direkt mit den Gewerkschaften. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Frührente in Staatsbetrieben abschaffen. Die französische Regierung hatte am Sonntag ihre bisherige Position aufgegeben, vor Gesprächen von den Gewerkschaften einen Aufruf zum Ende des Streiks zu verlangen.
In Deutschland gilt das Prinzip der Tarifautonomie. So verhandelt als Arbeitgeber der Vorstand der halbstaatlichen Deutschen Bahn (der Bund sitzt im Aufsichtsrat) mit den Gewerkschaften. Mehrfach haben die Tarifparteien Politiker um Vermittlungsdienste gebeten. Mehrfach haben diese unter Verweis auf die Tarifautonomie abgelehnt.
Zwei Streiks - zwei Welten
Frankreich und Deutschland haben eine grundlegend verschiedene Streikkultur. Was im streikfaulen Deutschland als Ausnahmezustand gilt, gehört in Frankreich zur Kultur des Landes.
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