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Düsseldorf
"Verdi will Amazons Image schaden"

Düsseldorf. Seit 2013 zieht sich der Streit zwischen Gewerkschaft und Konzern hin.

Die Gewerkschaft Verdi setzt im Konflikt mit Amazon weiter auf Arbeitskämpfe. Gestern rief sie ihre Mitglieder in den Versandzentren Rheinberg, Werne, Koblenz, Leipzig, Bad Hersfeld und Graben sowie beim Streaming-Dienst Prime in Elmshorn zum Streik auf. Begleitet wurden diese von einer Protestkundgebung im polnischen Wroclaw. Mit dem Arbeitskampf versucht Verdi, das Amazon-Weihnachtsgeschäft zu stören. Von Konzernseite hieß es jedoch, die Kunden müssten sich keine Sorgen machen. Die Streiks hätten "keinerlei Auswirkungen auf pünktliche Lieferungen", so eine Unternehmenssprecherin.

Der Streik bei Amazon dauert nunmehr zwei Jahre. Die Gewerkschaft verlangt, dass für die Beschäftigten der Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel gelten soll. Das lehnt Amazon jedoch ab und verweist darauf, dass es selbst ein Logistikunternehmen sei. Man zahle am oberen Ende dessen, was in dieser Branche üblich sei.

"Finanziell kann Verdi den Streik lange aushalten, weil - anders als etwa bei einem Arbeitskampf im öffentlichen Dienst - nur wenige Beschäftigte streiken und entsprechend auch nicht so wahnsinnig viel Streikgeld anfällt", sagt Hagen Lesch, Tarifexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft. Es gehe der Gewerkschaft mit ihrer Nadelstich-Taktik weniger darum, dem Unternehmen einen großen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. "Vielmehr handelt es sich um den Versuch, das Image des Konzerns zu beschädigen. In der Öffentlichkeit verfängt der Eindruck, bei Amazon handele es sich um ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter schlecht behandele und bezahle." Die Konfliktlänge sei für den Dienstleistungsbereich nicht ungewöhnlich. Mehr als zwei Jahre dauernde Konflikte seien aus dem Handel oder dem Bankensektor bekannt. Lesch übt auch Kritik am Konzern: "Amazon muss sich im Klaren sein, dass hierzulande eine andere Betriebsverfassungs-Kultur herrscht. Jedes US-Unternehmen sollte sich bewusst machen, dass bei uns mit starken Gewerkschaften und Betriebsräten andere Spielregeln gelten als in den USA."

(maxi)
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