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Düsseldorf
Verheddert im Netz der Telekom

Düsseldorf. Nachdem wir über eine Wohnanlage berichtet hatten, in der 100 Wohnungen erst nach Monaten einen Telefonanschluss bekamen, erzählten viele Leser von ähnlichem Ärger. Die Telekom will nun durchgreifen. Von Reinhard Kowalewsky

Wie gut ist der Service der Telekom? "Es gibt oft Beschwerden, weil Techniker Termine nicht einhalten", sagt Miriam Rusch von der NRW-Verbraucherzentrale. Auch nerve viele Kunden, wenn sie bei jedem Hotline-Anruf mit einem anderen Betreuer sprechen müssten. Wie ernst die Lage ist, demonstriert die Telekom selbst: Seit Anfang des Monats soll mit Ferri Abolhassan, einer ihrer durchsetzungstärksten Manager, im deutschen Kundendienst aufräumen und technische Dienste und Call-Center zusammenführen. "Es gibt Luft nach oben", räumt Deutschland-Chef Niek Jan van Damme ein. Das demonstrieren viele Berichte, die Leser uns zugesandt haben. Die Telekom will die ihr vorgelegten Fälle nicht kommentieren, sich aber darum kümmern:

Vier Wochen Chaos

"Erste Störung am 25. August - der Router riecht. Am 31. August funktioniert der geschickte neue Router nicht - ein Techniker soll kommen, der kommt einen Tag verspätet nach vielen Telefonaten, nichts klappt. Ein anderer Techniker soll kommen, kommt jedoch nicht. Ich erfahre, dass Erdarbeiten nötig sind. Immerhin wird eine Rufumleitung geschaltet, und wir erhalten einen UMTS-Stick für unseren Rechner. Funktioniert anfangs leider nicht, Drucken kann ich auch nicht ohne W-Lan. Am 7. September erfahren wir, dass wohl Problem im Glasfaserkasten vorliegt, das am nächsten Tag angeblich behoben ist. Sechs Tage darauf erneut kein Internet, die Leitung wird von Techniker auf 25 Megabit heruntergeschaltet - schon wenige Tage danach fällt alles wieder aus."

Bernd Brückner, Erkelenz

Geräte defekt

"Im August 2015 hatte ich einen Schaden an meinem Router. Im Telekom Shop in Mönchengladbach wurde mir ein neuer Vertrag Call & Surf Comfort inklusive der Lieferung eines neuen Routers empfohlen. Ich habe diesen abgeschlossen und wollte den Router installieren. Beim Auspacken stellte ich fest, dass der Router nicht original verpackt war. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, den Router zu installieren, bin ich zurück zum Shop gefahren und habe reklamiert. Bei der Übergabe eines neuen, originalverpackten Routers wurde mir noch geraten, immer darauf zu achten, dass es sich um ein originalverpacktes Teil handele. Die Installation klappte dann ohne Probleme.

Später wurde mir ein Vertrag Magenta Zuhause M verkauft. Auf einmal konnten wir aber nicht mehr telefonieren. Im Telekom-Shop erfuhr ich, dass ich neue Telefone benötige, die ich dort auch kaufte. Als ich diese zuhause auspackte, waren auch sie nicht mehr original verpackt. Die Installation scheiterte, die Akkus waren defekt."

Meinolf Golmhofer, M'gladbach

Zehn Monate kein Anschluss

"Im November 2015 sind wir in Straelen in den Kulmesweg gezogen und wollten unseren Anschluss mitnehmen. Von der Telekom bekam ich eine Auftragsnummer und mir wurde Magenta Zuhause S zugesagt. Wir wohnen jetzt seit zehn Monaten an der neuen Adresse. Die Telekom hat Löcher gebuddelt, wieder zugemacht, wieder gebuddelt, wieder zugemacht. Wir haben immer wieder angerufen und bekamen die Antwort, dass die Leitung kaputt sei oder gar nicht existiere. Nun wurden wir auf eine angebliche Warteliste bis September gesetzt. Bis heute hat sich die Telekom nicht geäußert, wann wir einen Telefonanschluss und Internet bekommen."

Thomas Otto, Straelen Glasfaser kommt doch nicht

"Wir haben für unseren Internetshop ab Anfang 2015 an der Glehner Heide in Korschenbroich neu gebaut, weil die Telekom für den dortigen Standort schnelle Glasfaserleitungen versprach. Es folgte eine schwierige Odyssee: Die eine Abteilung wusste nicht, was die andere macht. Im Februar 2016 war das Gebäude fertig - allerdings ohne Telekom. Im April kündigten wir deshalb bei ihr alle Aufträge. Die Deutsche Glasfaser hatte uns mittlerweile angeboten, im Juli eine Glasfaserleitung mit 200 Megabit zu legen.

Zwei Wochen später wollten Telekom-Techniker plötzlich doch die Leitung legen. Dass wir bereits gekündigt hatten, interessierte sie nicht. Jetzt haben wir einen nicht bestellten V-DSL-Anschluss. Wieder zwei Wochen später legte ein Bautrupp im Auftrag der Telekom zudem noch Glasfaser - aber deren Nutzung ist mit 3800 Euro im Monat unbezahlbar.

Ende Juli dann endlich die Erlösung für unsere Firma: Die relativ günstige Glasfaser des Telekom-Wettbewerbers ist da." Achim Hasler, Korschenbroich

Einfach keine Leitung frei "Vor einem Jahr, haben wir für unser neues Haus unseren Anschluss bei der Telekom beantragt, der als sichtbare Leitung seit Monaten im Keller liegt. Mit unserem Einzug vor vier Wochen begann das Chaos, weil wir doch keine Festnetz- und Internetverbindung haben. Hunderte Anrufe, immer wieder lange Warteschleifen, immer wieder andere Ansprechpartner, die zugaben, keine Ahnung zu haben, immer wieder wurden wir weiterverbunden - an ebenso ahnungslose Mitarbeiter, immer wieder wurde ein Rückruf versprochen, der nie erfolgte. Die nicht ausgebildeten und inkompetenten Mitarbeiter teilten uns mit, dass wohl ein technisches Problem bestehen würde, welches nicht behoben werden könne. Ein anderer gab an, dass für unseren Anschluss keine Leitung frei sei. Als ich den Mitarbeiter fragte, ob erst einer in der Nachbarschaft sterben oder ausziehen müsse, damit ich meine Verbindung bekomme, antwortete dieser mit: ,Ja, genauso könnte man das sehen.'" Thomas Gervens, Kleve

Quelle: RP
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