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Sunnyvale
Verizon kauft Web-Pionier Yahoo

Verizon kauft Web-Pionier Yahoo für fünf Milliarden Dollar
FOTO: ap
Sunnyvale. Das Schicksal von Yahoo ist entschieden: Für nur fünf Milliarden Dollar geht der Suchmaschinen-Betreiber an den US-Telekomriesen Verizon. Yahoo-Chefin Marissa Mayer kann sich auf 55 Millionen Dollar freuen. Von Christoph Dernbach und Andrej Sokolow

Als Yahoo gegründet wurde, waren Google und Facebook noch nicht mal in Planung. Das weltweite Web war 1994 so jung, dass man die Seiten wie in einem Telefonbuch nach Themen ordnen konnte. Die Stanford-Studenten Jerry Yang und David Filo machten genau das mit "Jerry und Davids Wegweiser für das World Wide Web". Wenig später änderten sie den Namen in Yahoo, eine augenzwinkernde Abkürzung für "Yet Another Hierarchically Organized Oracle" (Noch ein hierarchisch geordnetes Orakel). Die Idee kam an, Yahoo wurde für viele Nutzer zur Startseite auf ihrem Weg ins Netz.

Doch das Web wurde schnell zu groß für diese Art von Katalogisierung. Damit schlug die Stunde von Internet-Suchmaschinen wie Google, die Inhalte selbst erfassen und nach einem Algorithmus sortieren. Yahoo versuchte sich auch in diesem Geschäft, konnte jedoch nicht mit Google mithalten. Es war übrigens Yang, der den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin empfahl, ihre eigene Firma zu gründen, statt weiter zu versuchen, ihre Such-Formel für eine Million Dollar an damalige große Player wie Excite zu verkaufen.

Es war einer der vielen Momente, in denen Yahoo-Chefs den Lauf der Geschichte der Internet-Branche hätten verändern können - und die Chance verpassten. Jahre später machte der damalige Yahoo-Chef Terry Semel einen Anlauf, Google für bis zu drei Milliarden Dollar zu kaufen - doch die inzwischen reiferen Gründer ließen ihn abblitzen.

Der frühere Hollywood-Manager Semel, der das Geschäft von Yahoo nach dem Platzen der New Economy stabilisieren sollte, bot 2006 auch einem jungen Mann namens Mark Zuckerberg eine Milliarde Dollar für dessen aufstrebendes Online-Netzwerk. Ein Witz, fand Zuckerberg und suchte sich Investoren, die in Facebook investierten, ohne es übernehmen zu wollen. Heute ist Facebook 350 Milliarden Dollar wert und die Google-Mutter Alphabet über 500 Milliarden Dollar - und Yahoo geht für keine fünf Milliarden über den Ladentisch.

Der Web-Pionier hat zwar weiterhin Hunderte Millionen Nutzer in seinen Diensten wie E-Mail oder News - liegt aber abgeschlagen hinter Google und Facebook im Geschäft mit Online-Werbung. Yahoo verschliss einen Top-Manager nach dem anderen. Yang, der Semel 2007 an der Spitze ablöste, wird damit in Erinnerung bleiben, dass er ein 45 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot von Microsoft ablehnte.

Vor vier Jahren kam Marissa Mayer, die einen klaren Plan zu haben schien: Mehr Nutzer mit üppigem Medienangebot anlocken, damit das Werbegeschäft wächst. Dafür baute sie New-Portale aus, investierte in die Rückkehr zum Suchmaschinen-Geschäft und kaufte für eine Milliarde Dollar die Blogplattform Tumblr, um jüngere Nutzer zu gewinnen. Doch Mayers Rechnung ging nicht auf. Die Online-Werbung wanderte zu Google und Facebook. Tumblr zündete nicht, zwei Drittel mussten abgeschrieben werden. Falls die 41-Jährige nach der Übernahme gefeuert werden sollte, stehen ihr immerhin rund 55 Millionen Dollar zu - drei Millionen Dollar in bar, der Rest in Aktien. Auf Tumblr erklärte Mayer, dass sie bleiben möchte. Ob das die neuen Eigentürmer wollen, wird man sehen.

Was können der Telekom-Riese Verizon und seine Online-Tochter AOL nun mit Yahoo ausrichten? "Es wird eine harte Integration", schrieb das bei Yahoo gut vernetzte Technologieblog "Recode". Auch nach Mayers Stellenkürzungen hat der Internet-Pionier immer noch 8800 Mitarbeiter - und AOL gehört bereits ein eigenes kleines Medienimperium von "Huffington Post" bis zu den Technologieblogs "TechCrunch" und "Engadget".

(dpa)
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