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Peking
Vertragsgespräche mit einem Unbekannten

Peking. Eine Pressekonferenz, ein paar Fotos mit dem Flughafen im Hintergrund - die Bühne war am Montag bereitet. "Mit der Übernahme durch einen Privatinvestor beginnt ein neues Kapitel für Hahn, das für weiteren Schub bei der Entwicklung des Flughafens sorgen wird", sagte Roger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz. Der neben ihm sitzende chinesische Investor Yu Tao Chou versprach im Gegenzug einen Ausbau des Frachtgeschäfts und verkündete: "Ich habe mein Herz an den Flughafen Hahn verloren."

Endlich gute Nachrichten für den chronisch defizitären Flughafen im Nirgendwo. Gut, rund 70 Millionen Euro Steuergeld müssen in den kommenden Jahren noch überwiesen werden. Und der 82,5-Prozent-Anteil von Rheinland-Pfalz am Flughafen soll auch nur einen niedrigen zweitstelligen Millionen-Betrag bringen. Doch dafür sollten ja auch schon bald die Flugzahlen wieder steigen, könnte Hahn zum Drehkreuz für asiatische Reisende werden. Immerhin versprach Yu Tao Chou, der als Generalbevollmächtigter für den Käufer Shanghai Yiqian Trading (SYT) auftrat, dass schon bald wieder die Luftfrachtgesellschaft Yangtze River Express den Hunsrück-Airport anfliegen würde. Mit dem Rückzug 2015 war das Frachtgeschäft eingebrochen.

Nun geht es also wieder aufwärts. Bleibt nur noch eine Frage: Mit wem hat die rheinland-pfälzische Landesregierung da überhaupt verhandelt? Die Chinesische Handelskammer in Deutschland kennt den neuen Investor jedenfalls nicht. Und die chinesische Luftfrachtgesellschaft Yangtze River Express hat wohl auch keinerlei Pläne, den Hunsrück-Airport wieder anzufliegen. "Die Kundennachfrage war rückläufig, deswegen haben wir die Kooperation beendet", sagte Marketing-Manager Wang Bo. Vom chinesischen Unternehmen SYT oder dessen Generalbevollmächtigten Yu Tao Chou hatte der Manager noch nie gehört. Inzwischen stellte sich zwar heraus, dass dieser bei der Fluggesellschaft angestellt ist - allerdings nur als Pilot. An den Plänen ändere das jedoch nichts. "Wir haben keine Pläne, wieder nach Hahn zu fliegen", betonte Wang Bo.

Auch sonst scheint SYT in China weitgehend unbekannt zu sein. Die Firma ist zwar seit dem 4. November 2013 mit einem registrierten Kapital von 500.000 Yuan, umgerechnet 67.000 Euro, in Shanghai registriert. Im chinesischen Internet ließen sich jedoch keine Informationen über die Firma finden. Nach Angaben des Käufers Chou wird er von Shanghai Guo Qing Investment Co. mit Sitz in der ostchinesischen Hafenmetropole unterstützt. Es wurde der deutschen Seite als ein "führendes Unternehmen" in inländischen Bauprojekten beschrieben. Mehrere chinesische Branchenkenner in Shanghai, die auch im Flughafenbau tätig sind, hatten von der Firma allerdings noch nichts gehört. Beobachter wiesen darauf hin, es sei auffällig, dass die staatlich kontrollierten chinesischen Medien bislang nicht über den prominenten Deal berichtet hätten.

Die rheinland-pfälzische CDU hegt denn auch Zweifel an der Seriosität von SYT und Yu Tao Chou. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) betonte hingegen, man habe den Investor überprüft. Die Beratungsgesellschaft KPMG, die die Verkaufsverhandlungen geführt hat, habe zudem Sicherheiten eingeholt.

(dpa/frin)
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