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New York/Dublin
Pharma-Rekordfusion: Pfizer kauft Allergan

Viagra-Hersteller Pfizer kauft Botox-Produzent Allergan
FOTO: dpa, mda
New York/Dublin. Der Viagra-Hersteller übernimmt den Botox-Produzenten. Für knapp 151 Milliarden Euro entsteht der größte Pharmakonzern der Welt.

Kurz vor dem Jahresende steigt das Übernahmefieber in der Pharmabranche noch einmal deutlich an: Mit der Rekordübernahme des Botox-Herstellers Allergan durch den Viagra-Konzern Pfizer übertrifft die Branche ihren Vorjahresrekord von mehr als 500 Milliarden Dollar bereits jetzt deutlich. Allein der Pfizer-Allergan-Deal kommt auf ein Volumen von 160 Milliarden Dollar (knapp 151 Milliarden Euro). Die Übernahme stellt selbst den jüngsten Bier-Megadeal zwischen AB Inbev und SAB Miller mit seinem Wert von umgerechnet 100 Milliarden Euro in den Schatten.

Die zwei Pharmakonzerne kämen nach ihrem Zusammenschluss auf einen Umsatz von rund 60 Milliarden Dollar. Kein Konkurrent kann da mithalten. Der schweizerische Pharmakonzern Roche etwa setzte im vergangenen Jahr 47,5 Milliarden Franken (43,8 Milliarden Euro) um. Der deutsche Konkurrent Bayer bleibt in dieser Liga trotz der jüngsten Übernahmen weit abgeschlagen. Er kommt mit seinem Agrochemie-, Saatgut- und Kunststoffumsatz auf Erlöse von 42,2 Milliarden Euro. Das Geschäft mit Medikamenten und rezeptfreien Mitteln trug 2014 dazu aber nicht einmal die Hälfte bei.

Angetrieben wird die Übernahmewelle in allen Branchen durch die Billiggeldschwemme der Notenbanken. Das Zinsniveau für Firmenanleihen ist dadurch stark gedrückt. Auch eigene Aktien sind eine immer beliebtere Währung. Selten waren die Konditionen so günstig wie heute. In der Pharmabranche sorgen die Sparmaßnahmen der Regierungen im Gesundheitssektor sowie der Ablauf von Patenten für zusätzlichen Fusionsdruck.

Und auch steuerliche Aspekte spielen eine immer wichtigere Rolle - wie jetzt für Pfizer. Damit steuerliche Vorteile gesichert werden können, ist die Transaktion so gestaltet, dass Allergan mit dem steuerlich günstigeren Firmensitz in Irland formell den größeren Konzern aus New York kauft.

"Ein Zusammenschluss ist aus steuerlichen Aspekten und mit Blick auf die Erweiterung des Produktportfolios sinnvoll", betonte Independent-Research-Analyst Bernhard Weininger. Unter der Bedingung einer deutlich gedrückten Steuerlast dürfte die Übernahme auch aus Sicht des US-Analysehauses Bernstein langfristig für die Aktionäre Wert schaffen. Entscheidend sei aber, dass die US-Behörden den Konzernen keinen Strich durch die Rechnung machen. Denn der amerikanischen Regierung sind solche Steuersparmodelle schon lange ein Dorn im Auge. Bereits im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung solche Deals erschwert. Auf einen langwierigen Streit vor Gericht dürften sich Pfizer und Allergan laut Bernstein-Analyst Tim Anderson nicht einlassen. Denn dadurch könnte der Zusammenschluss verzögert und Unsicherheit geschürt werden.

In der Pharmabranche dreht sich das Übernahmekarussell bereits seit einiger Zeit. Große Firmen wie Pfizer, Merck & Co oder die Schweizer Novartis und Roche stehen oft wegen auslaufender Patente für Verkaufsschlager unter Druck. Dabei werden die Lücken im eigenen Portfolio durch Übernahmen geschlossen. Der Übernahmehunger in der Branche wird zusätzlich durch Sparmaßnahmen der Regierungen befeuert. Besonders lukrativ erschienen in den USA zuletzt Unternehmen aus der Biotechnologie, die als Schlüssel für neue Medikamente gilt.

Auch der Trend zur Spezialisierung nährt die Übernahmewelle. Während sich früher große Pharmakonzerne durch ein breites Produktportfolio auszeichneten, gilt heute eine kritische Größe in besonders lukrativen Teilbereichen wie der Krebstherapie als Königsweg. Viele Konzerne spalten sich deshalb auf oder tauschen untereinander Bereiche aus. Auch Pfizer setzt möglicherweise nicht auf Dauer auf einen Mega-Verbund mit Allergan. Nach der Rekordübernahme könnte sich Pfizer aufspalten. Ein Teil würde sich auf patentgeschützte Mittel konzentrieren, der andere auf ältere Medikamente. Das würde möglicherweise neue Interessenten anlocken.

(dpa)
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