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NRW deutlich über dem Schnitt
Viele Kinder verharren in Hartz IV

Berlin. 15 Prozent der Heranwachsenden sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Von Birgit Marschall

Trotz der guten Situation am Arbeitsmarkt sind weiterhin 15 Prozent aller Kinder in Deutschland auf die soziale Grundsicherung angewiesen. "15 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren in Deutschland waren 2012 in der Grundsicherung für Arbeitsuchende gemeldet – insgesamt 1,62 Millionen", heißt es in einer neuen Broschüre der Bundesagentur für Arbeit (BA), die unserer Redaktion vorliegt.

Im Jahr 2011 sei die Quote gleich hoch gewesen. Etwa die Hälfte der Kinder in Hartz-IV-Haushalten lebte demnach 2012 bei einem alleinerziehenden Elternteil. Die Hilfequote von Alleinerziehenden liege mit 39,4 Prozent mit Abstand am höchsten.

NRW deutlich über dem Schnitt

Die Zahl der Beschäftigten ist dagegen seit 2010 um gut eine Million auf 42 Millionen gestiegen. Zugleich nahm die Zahl der Arbeitslosen deutlich um mehr als 300 000 ab. Auch bei den schwerer zu vermittelnden Langzeitarbeitslosen ging die Erwerbslosigkeit zurück, wenn auch in geringerem Umfang. Trotzdem stagnierte die Zahl der Kinder in Hartz-IV-Haushalten in den Jahren 2011 und 2012. Die Bundesagentur begründet dies vor allem damit, dass es für Alleinerziehende nach wie vor besonders schwer ist, sich aus der Grundsicherung "herauszuarbeiten".

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt die Quote der Kinder in Hartz-IV-Haushalten mit 17,9 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Auch in den ostdeutschen Ländern, den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie Berlin und im Saarland sind überdurchschnittlich viele Kinder auf staatliche Hilfe angewiesen. Bundesweit an der Spitze liegt Berlin, wo 34,3 Prozent aller Kinder in Hartz-IV-Haushalten leben. In Bayern und Baden-Württemberg liegt die Quote der hilfebedürftigen Kinder dagegen unter zehn Prozent.

Kinder als Problem

Paare mit Kindern sind der Untersuchung zufolge doppelt so oft nicht in der Lage, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten als Paare ohne Kinder. "Die Hilfequote von Paaren mit Kindern lag mit 7,2 Prozent höher als die von Paaren ohne Kinder (3,7 Prozent)", schreibt die Bundesagentur. Im Vergleich zu allen Haushalten, die auf Hartz IV angewiesen sind, seien Paare mit Kindern allerdings weniger oft betroffen.

"Für Menschen mit Familienpflichten ist es immer noch ungleich schwerer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, als für familiär ungebundene Menschen", sagte BA-Vorstand Heinrich Alt. "Gerade für Alleinerziehende ist der Wiedereinstieg in Arbeit oft ein Hürdenlauf." Er forderte Unternehmen auf, durch innovative Arbeitszeitmodelle mehr Arbeitsmöglichkeiten für Alleinerziehende zu schaffen. "Auch wenn viele Unternehmer verstärkt Teilzeit- oder Telearbeitsmöglichkeiten anbieten oder in Betriebskindergärten investieren – es bleibt noch viel zu tun."

Quelle: RP
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