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Leverkusen
Vom Bäcker-Sohn zum Bayer-Chef

Leverkusen. Am 1. Mai übernimmt Werner Baumann das Steuer des Dax-Konzerns. Der Krefelder, der statt eines Dienstwagens lieber seinen alten Golf GTI fährt, will rasch aus der Chemietochter Covestro aussteigen. Zur Jobgarantie bis 2020 steht er. Von Antje Höning

In drei Wochen übergibt Marijn Dekkers den Staffelstab an Werner Baumann - im wörtlichen Sinne, so ist es bei Bayer zum Chefwechsel üblich. Den Stab wird der Niederländer mit einem Zettel versehen, auf den er gute Wünsche für den Nachfolger notiert. Doch Mitarbeiter und Anleger müssen nicht fürchten, dass der 53-Jährige nun alles anders macht. "Bayer wird sich nicht radikal ändern, es bleibt bei Evolution statt Revolution", sagt Werner Baumann, der sein gesamtes Berufsleben bei dem Pharmakonzern-Konzern verbracht hat und seit sechs Jahren im Vorstand ist.

"Mehr Innovation, weniger Administration bleibt unser Thema", so Baumann. Mit dieser Ansage hatte 2010 schon Dekkers als Bayer-Chef angefangen - und kurz darauf den Abbau von 4500 Stellen verkündet. Das hat Baumann nicht vor: Der Konzern habe heute eine "sehr performante Organisation", so seine etwas schräge Lieblings-Vokabel. Aber natürlich müsse Bayer weiter auf Effizienz achten. Dabei sei auch klar: Er stehe zum Beschäftigungssicherungsvertrag, nachdem es bis 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

Baumann, der als Sohn eines Krefelder Bäckermeisters geboren wurde, hat im väterlichen Geschäft erste Unternehmens-Erfahrungen gesammelt. "Wenn Not am Mann war, mussten meine Schwester und ich mit ran und Brot verkaufen." Eine Allergie verhinderte, dass er selbst das Handwerk lernte, heute gibt es die Bäckerei nicht mehr. Dass er einmal mehr als kleine Brötchen backen, sondern Deutschlands wertvollsten Konzern mit 116.000 Mitarbeitern führen würde, hat er sich nicht träumen lassen.

Nach dem wirtschaftswissenschaftlichen Studium in Aachen und Köln heuerte Baumann direkt bei Bayer an. Unter anderem war er zwölf Jahre für den Konzern in Spanien, spricht Spanisch und Englisch fließend. Der weiche rheinische Akzent ist geblieben. Sein Gesellenstück war die Integration des Pharmaherstellers Schering in den Konzern, hier fiel er auch dem damaligen Chef Werner Wenning auf.

Heute wohnt der 53-Jährige mit seiner Familie in Krefeld. Baumann hat vier Kinder zwischen 17 und 21; darunter Zwillinge - wie Dekkers. Dem Niederländer ist er ohnehin in unbürokratischem Denken und einer gewissen Hierarchie-Allergie verbunden.

Baumann ist ohne Allüren. Einen Dienstwagen hat er nicht, nutzt allenfalls die Fahrbereitschaft des Konzerns, sagt er. "Ich habe eine Leidenschaft für ältere Autos: BMW Z3, Golf GTI, Mercedes. Regelmäßig fahre ich auch selbst zur Arbeit." Primadonnen, da ist Baumann überzeugt, passen weiter nicht nach Leverkusen.

Dennoch kann der Dax-Konzern unter ihm nicht stehen bleiben: Rasch will Baumann die Beteiligung an der Chemietochter Covestro unter 50 Prozent senken. Die Haltefrist, zu der sich Bayer verpflichtet hatte, ist vor wenigen Tagen abgelaufen. Ab jetzt darf der Konzern nach Belieben Covestro-Aktien verkaufen. Bayer hatte im Herbst 2015 Covestro an die Börse gebracht und hält noch einen Anteil von 69 Prozent. "In 18 bis 24 Monaten wollen wir ganz aussteigen", so Baumann.

Dann wird Bayer zum Life-Science-Konzern mit den Divisionen Pharma (innovative Medikamente wie Xarelto), Consumer Health (verschreibungsfreie Medizin wie Bepanthen) und Pflanzenschutz (Crop Science). Stets will Bayer zu den Marktführern aufschließen oder Marktführer bleiben. "Crop Science bleibt Kerngeschäft", betont Baumann. Für die kleine Sparte Tiergesundheit (Umsatz: 1,5 Milliarden Euro) will er das nicht sagen. Entweder gelinge es, das Geschäft strategisch zu verstärken, also durch Zukäufe zu vergrößern - oder Bayer werde sich trennen.

"Der Bayer-Umbau ist kein Sprint, sondern ein Marathon", sagte Baumann, wenngleich er selbst das typische Manager-Hobby Laufen nicht pflegt. Er ist stattdessen leidenschaftlicher Handwerker. "Außer Elektro kann ich alles am Haus", sagt er. Nun muss er zeigen, dass er auch das Bayer-Haus in Schuss halten kann.

Quelle: RP
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