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Düsseldorf
Vom Billig-Plastik zum Energiesparer

So wird die Messe K aufgebaut
So wird die Messe K aufgebaut FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Heute beginnt in Düsseldorf die größte Kunststoff-Messe der Welt. 3285 Unternehmen zeigen ihre Neuheiten - vom Bremspedal aus Plastik über neue 3-D-Druckprodukte bis zur Matratze aus Kohlendioxid. Von Antje Höning

Lange hatten Kunststoff-Güter ein schlechtes Image: billig, künstlich, schnell kaputt. Mit der Digitalisierung und der Nachhaltigkeits-Welle hat ein Wandel eingesetzt: Kunststoffe gelten heute als wertvolle und innovative Werkstoffe. Sie machen Autos leichter und senken den Spritverbrauch. Sie dämmen Häuser und reduzieren den Energiebedarf. Zugleich sind sie der Baustein für den 3-D-Druck, der Handwerk und Industrie revolutioniert, da er die industrielle Fertigung von Einzelprodukten erlaubt. Die Entwicklung bedeutet neuen Schub für die "K 2016", die größte Kunststoffmesse der Welt, die heute in Düsseldorf beginnt.

3285 Unternehmen aus 61 Ländern zeigen bis zum 26. Oktober ihre Neuheiten. "In Düsseldorf nimmt die größte Kunststoff-Fabrik der Welt ihre Arbeit auf, wir erwarten wieder über 200.000 Fachbesucher", sagt Messe-Chef Werner Dornscheidt. Alle 19 Messehallen sind belegt, 23 Hotelschiffe sind am Rheinufer vor Anker gegangen, um zusätzliche Bettenkapazitäten zu schaffen. Pendler müssen mit deutlich mehr Verkehr rechnen.

1952 fand die Kunststoffmesse erstmals statt und konzentrierte sich auf damals hippe Konsumgüter wie abwaschbare Kulturbeutel und dünne Nylonstrümpfe. Heute ist die "K" eine der großen Investitionsgütermessen der Welt, zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland. Vor allem Italien (423 Aussteller), China (372), Taiwan (127) und die USA (118) sind vertreten.

BASF und Hyundai zeigen in Düsseldorf den Rennwagen "RN 30". Bislang setzten Autobauer, um Sprit zu sparen, auf carbonfaserverstärkten Kunststoff. Nun hat BASF Elastolite entwickelt, aus denen Kotflügel und Spoiler hergestellt werden. Damit es im Auto kühl bleibt, werden auf die Scheiben Infrarot-Folien geklebt, die eine Aufheizung durch die Sonne verhindern.

Ohnehin werden Kunststoffe für den Autobau immer wichtiger. Wenn die Autos leichter werden und weniger Sprit verbrauchen, emittieren sie weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Und nur so können die Autobauer die von der EU gesenkten CO2-Ziele für ihre Flotten erreichen. Gewicht kann überall gespart werden: Der Essener Chemieriese Evonik zeigt unter anderem einen Kühlergrill aus Plexiglas namens "Hi-Gloss NTA-5", das besonders "schlagzäh" ist und an vielen Stellen im Auto als Bauteil verwendet werden kann. Die Kölner Lanxess präsentiert ein Bremspedal, das bereits im Porsche Panamera eingesetzt wird: Statt aus Stahl besteht es aus einem faserverstärkten Kunststoff. Daneben zeigt Lanxess ein Batteriegehäuse für Elektroautos, dsa schwer entflammbar ist - seit der Explosion der Samsung-Akkus ein Massenthema.

Der Leverkusener Hersteller Covestro zeigt, dass Kohlendioxid nicht nur ein klimaschädliches Abfallprodukt ist, sondern auch als Rohstoff genutzt werden kann. Covestro demonstriert, wie man Elastomere aus CO2 herstellt. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Matratzen und Polstermöbel auf den Markt kommen, deren Schaumstoff aus dem Klimagas hergestellt wird.

Neben Kunststoff-Herstellern kommen auch viele Kautschuk-Unternehmen nach Düsseldorf. Der Branche geht es wegen der Überkapazitäten auf dem Weltmarkt aktuell nicht gut. Doch die "Tränen der Bäume" (was das indianische Wort "Kautschuk" wörtlich bedeutet) sind weiter ein zentraler Bestandteil von Autoreifen, Dichtungen und Latex-Produkten.

In Deutschland ist die Kunststoff- und Kautschuk-Industrie mit 470.000 Beschäftigten einer der großen Arbeitgeber und steht mit einem Jahresumsatz von 103 Milliarden Euro für sechs Prozent der heimischen Industrieproduktion. Allein in NRW sind 140.000 Beschäftigte in der Branche tätig.

Quelle: RP
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