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Ländervergleich: Vor deutschen Werkstoren wird selten gestreikt

VON ULRIKE TSCHIRNER - zuletzt aktualisiert: 24.11.2005 - 08:42

Düsseldorf (rpo). Streiks sind in Deutschland rar. Im Vergleich zu anderen Ländern legen Arbeiter hierzulande relativ selten die Produktion ihrer Betriebe lahm, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt. Die IG Metall erklärt das damit, dass ein Streik als letztes Mittel im Verhandlungsprozess sehr verantwortungsbewusst eingesetzt werde.

Deutschland ist keine Streikhochburg. In den vergangenen zehn Jahren gingen laut Institut der deutschen Wirtschaft im Schnitt jährlich vier Arbeitstage je 1000 Beschäftigte verloren, weniger gab es nur in der Schweiz und in Japan. Dagegen stand beim Spitzenreiter Island an 553 Tagen die Produktion still. Ein Grund für die "zahmen Deutschen", wie sie das Wirtschaftsforschungsinstitut in seiner Pressemitteilung bezeichnet, sieht Tarifexperte Hagen Lesch im Verbot von politischen Streiks. Sie sind in anderen Ländern wie zum Beispiel Frankreich, Italien und Österreich erlaubt - und haben dort zugenommen.

International beobachtet Hagen Lesch jedoch einen Rückgang der Streikaktivität. Die Gründe dafür sind jedoch bisher nicht durch Untersuchungen abgesichert. Möglich sei, so Lesch, dass der ständig wachsende Wettbewerbsdruck in der Industrie die Gewerkschaften diszipliniert habe. Ein weiterer Faktor könne die Strukturveränderung sein. Denn in den meisten Ländern wie auch in Deutschland konzentrierten sich Streiks auf das produzierende Gewerbe. Dort hat sich der Anteil der Beschäftigten in den vergangenen Jahren allerdings verändert - weg von der Industrie, hin zum Dienstleistungssektor.

Außerdem hat Lesch die Tendenz ausgemacht, dass Länder "friedfertiger" seien, je höher Systeme Streiks regulierten. So verbietet in Deutschland zum Beispiel die Friedenspflicht den Tarifparteien einen Tarifvertrag während dessen Laufzeit durch einen Streik verändern zu wollen. Diese Regelung gibt es in Frankreich nicht.

"Es ist eine Philosophie der Gewerkschaften, dass Streiks erst als letztes Mittel eingesetzt werden - gezielt, aber verantwortungsbewusst", kommentierte eine Sprecherin der IG Metall die niedrige Zahl von Streiks in Deutschland. Die Studie zeige, dass es zwischen den Tarifparteien noch andere Verständigungsmöglichkeiten gebe. Stehe zum Beispiel ein Produktionstandort auf der Kippe, könnten die Beschäftigten schon mit einer Betriebsversammlung ein Signal an das Management geben. Andere Mittel seien Kundgebungen und Warnstreiks. Deutsche Werktore blieben zum letzten Mal 2003 wegen eines Streiks geschlossen. Damals hatte die IG Metall versucht, die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland durchzusetzen.


 
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