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Düsseldorf
Vorsicht bei Mittelstandsanleihen

Düsseldorf. Holzpellets-Produzent German Pellets und Textilhersteller Steilmann mussten 2016 Insolvenz anmelden, auch andere Emittenten stecken in der Krise. Wenn Mittelständler hohe Zinsen zahlen, ist das häufig ein Indiz für hohes Risiko. Von Georg Winters

Der missratene Börsengang 2015 war für den Modekonzern Steilmann im Grunde der Anfang vom Ende. Mehr als 100 Millionen Euro sollte die Emission einbringen, am Ende waren es nicht mal neun Millionen. Die Aktie, seinerzeit verkauft für 3,50 Euro das Stück, dümpelt fünf Monate später und einige Wochen nach dem Insolvenzantrag bei nicht mal einem Zehntel ihres ursprünglichen Wertes dahin. Dem Konzern droht die Zerschlagung.

Das trifft nicht nur die Aktienkäufer, sondern auch jene, die Anleihen von Steilmann gezeichnet haben, sogenannte Mittelstandsanleihen. Die wurden vor Jahren bejubelt, weil sie den Mittelständlern eine Finanzierungsquelle am Kapitalmarkt erschließen und die Unternehmer damit unabhängiger von der Kreditvergabe der Banken machen sollten. Doch mittlerweile haben die Wertpapiere einen schlechten Ruf, weil Emittenten reihenweise in die Krise schlidderten. Nicht nur Steilmann musste Insolvenz anmelden, zuvor hatte es auch schon den Holzproduzenten German Pellets und das Düsseldorfer Traditionsunternehmen Zamek getroffen.

Anleger sollten gewarnt sein. Manche Unternehmen zahlen auch für neuere Anleihen noch bis zu vier Prozent Zinsen in einer Zeit, in der ein Bankkredit kaum mehr als zwei Prozent kosten dürfte - je nach Bonität natürlich. Es gilt: Hohe Rendite heißt hohes Risiko.

Auf manche wirkt der Mittelstandsmarkt wie ein Sammelbecken für jene, die anderweitig kein Geld mehr bekommen. Damit tut man natürlich den Guten im Töpfchen Unrecht. Drei Viertel aller Emissionen seien nicht notleidend, ihre Kupons würden ordentlich bedient, schreibt das Magazin "Bondguide". Ein Positivbeispiel ist Underberg, das am Mittwoch eine Anleihe vollständig zurückzahlte. Dirk Elberskirch, Chef der Düsseldorfer Börse, warnt vor einer Vorverurteilung: "Der Markt für kleinere und mittlere Unternehmensanleihen befindet sich derzeit in einer schwierigen, aber nicht aussichtslosen Lage." Als Beleg nennt Elberskirch mehrere Neuemissionen: Karlsberg habe jüngst eine Anleihe emittiert, die deutlich überzeichnet gewesen sei, Underberg werde eine privatplatzierte Nachfolge-Anleihe notieren lassen, und eine Katjes-Anleihe komme nach Düsseldorf.

Allen Positivbeispielen zum Trotz prägen indes Krisenfälle die Schlagzeilen: Steilmann, Zamek, German Pellets, der Schrott- und Recyclinghändler Scholz oder der Maschinenbauer Singulus, bei dem ein Schuldenschnitt vermutlich die Insolvenz verhinderte.

Anleger, die Anleihen gezeichnet haben, stehen als Gläubiger übrigerns ganz hinten in der Schlange. "Dahinter kommen nur noch Inhaber von Genussscheinen - wenn denn welche begeben wurden", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sein Rat an die Investoren: "Wenn bei einem Unternehmen das Insolvenzverfahren eröffnet und ein endgültiger Insolvenzverwalter bestellt ist, sofort die Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden."

Und: An Gläubigerversammlungen sollte man selbst teilnehmen oder sich auf jeden Fall vertreten lassen. "Nicht alle Gläubiger haben die gleichen Interessen", warnt Kurz. Es gebe beispielsweise institutionelle Investoren, die Kleinanlegern deren Anleihen für einen Bruchteil des Nominalwertes abkauften, um dann bei der Verwertung von Firmenvermögen noch Geld an der Anleihe zu verdienen. Solche Anleihen-Käufer seien dann eher an der schnellen Zerschlagung eines Unternehmens interessiert als an einem Sanierungsplan, bei dem man mit Hilfe niedrigerer Zinsen und längerer Laufzeiten für die Anleihe versuche, eine höhere Rückzahlung zu erreichen.

Quelle: RP
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