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Vorteil für Bayer
Gewinn von Monsanto bricht ein

Vorteil für Bayer: Der Gewinn von Monsanto bricht ein
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St. Louis. Die Geschäfte des US-Saatgutherstellers laufen schlecht. Für Bayer ist das ein Vorteil im Übernahmekampf. Von Florian Rinke

Es ist ein bisschen wie bei einem Boxkampf: Den Auftakt machte Bayer-Chef Werner Baumann, der sich als Erster aus der Deckung wagte, indem er den Plan öffentlich machte, den US-Saatgut-spezialisten Monsanto zu übernehmen. Noch pariert sein Gegenspieler, Monsanto-Chef Hugh Grant, die Attacke. Die ersten Runden in diesem Duell ähneln einem Abnutzungskampf. Grant will sich möglichst teuer verkaufen, am liebsten über zwölf Runden.

Doch die gestern vorgestellten Quartalsergebnisse zeigen, dass bei Monsanto die Deckung bröckelt. Der Gewinn brach im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel auf 717 Millionen Dollar ein. Auch der Umsatz ging deutlich zurück. Die Zahlen erschweren auch Grants Strategie: Die ersten Schläge parieren - und dann selbst in die Offensive gehen. Das erste Angebot von Bayer hatte er als zu niedrig zurückgewiesen, obwohl die Leverkusener umgerechnet rund 55 Milliarden Euro geboten haben. Das ist zwar deutlich mehr als die rund 43 Milliarden Euro, die der US-Konzern momentan an der Börse wert ist. Doch Hugh Grant weiß, dass dies das Duell seines Lebens ist. Also versucht er, mit gezielten Schlägen zu kontern. Vielleicht lässt sich ja am Ende noch ein bisschen mehr herausschlagen.

Auch bei der Vorlage der Quartalsbilanz erklärte Konzernchef Hugh Grant gestern lediglich, dass er in den vergangenen Wochen mit dem Bayer-Management geredet habe. Allerdings habe er auch mit anderen Gesprächspartnern Kontakt gehabt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters prüft Monsanto mögliche Kombinationen mit dem deutschen Konzern BASF oder mit Geschäften, von denen sich die US-Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont bei ihrer Mega-Fusion trennen müssten. Die Amerikaner seien auch offen für einen Deal nur mit dem Agrarchemiegeschäft von Bayer. Bayer kommentierte das nicht.

Dass ein Zusammenschluss strategisch Sinn macht, glaubt sogar Grant - doch aufgeben kommt momentan noch nicht infrage. Seit längerem wird daher auch über einen Preisaufschlag spekuliert. Angeblich verlangt Monsanto eine Erhöhung der Bayer-Offerte von aktuell 122 Dollar pro Aktie um zehn bis 15 Dollar. Bayer will hingegen zuerst die Zahlen von Monsanto prüfen, den Blick in die Bücher will Grant nur im Gegenzug für einen Preisaufschlag gewähren. Gäbe es ihn, würde schließlich auch der Monsanto-Chef selbst zu den Nutznießern gehören, hält er doch größere Aktienpakete am Konzern. Laut "Manager Magazin" könnte Grant Monsanto am Ende, inklusive Optionsrechten und Pensionsansprüchen, mit rund 200 Millionen Dollar in der Tasche verlassen. Genug Gründe, um Nehmerqualitäten zu zeigen.

Das Problem ist: Durch die schwachen Quartalszahlen schwinden die Argumente für einen Preisaufschlag. Auch Investoren dürften ihren Druck auf die Konzernführung erhöhen. Aus Sicht von Grant befindet sich die Branche am Tiefpunkt. Schuld sind die schwachen Geschäfte mit der Landwirtschaft, Währungs-Abwertungen und Turbulenzen in den Schwellenländern. Er sieht aber frühe Anzeichen einer Erholung. Mit einem Sparprogramm und Stellenstreichungen steuert er gegen. Doch ob das reicht, um zwölf Runden durchzustehen?

Quelle: RP
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