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Wolfsburg
VW-Chef drängt Vorstand zu geringeren Boni

Wolfsburg. VW erlebt die schlimmste Krise seiner Unternehmensgeschichte, und doch dürften überall noch einmal Geldgeschenke verteilt werden: An die Aktionäre, die wohl zumindest eine Mini-Dividende bekommen könnten. An die Mitarbeiter, für die der Betriebsrat weiter eine Art Erfolgsprämie fordert. Und auch an die Manager, die an ihren Boni festhalten.

VW-Chef Matthias Müller dürfte (wenn es ihm nicht sowieso klar war) inzwischen gemerkt haben, dass der von ihm angeregte Kulturwandel gar nicht so leicht durchzusetzen ist in einem Konzern, in dem so viele ihre Pfründe sichern wollen.

Weil öffentlich jedoch gerade Bonuszahlungen für Manager auf Unverständnis stoßen dürften - gerade für Ex-Chef Martin Winterkorn, der noch immer von VW sein Gehalt bezieht - , drängt Müller angeblich auf einen Kompromiss. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" schlägt er vor, dass die Konzernvorstände freiwillig auf rund 30 Prozent ihrer Sonderzahlungen verzichten sollen. Einige von ihnen wollen daran jedoch angeblich festhalten.

Das Problem ist: Die variablen Vergütungen des Top-Managements sind vertraglich geregelt. Wie hoch sie ausfallen, richtet sich nach dem wirtschaftlichen Erfolg und dem Erreichen persönlicher Ziele. Moralisch ist es legitim, angesichts des Abgasskandals und seiner Folgen einen Verzicht zu fordern - rein rechtlich haben die Manager darauf jedoch einen Anspruch.

Laut VW-Aufsichtsrat Jörg Hofmann, der gleichzeitig auch Vorsitzender der IG Metall ist, werde es allein durch die Folgen des Abgasskandals zu einer signifikanten Reduzierung der Boni kommen: "Darüber hinaus werden wir mit dem Vorstand über die Frage diskutieren, was in der jetzigen Situation angemessen ist." Heute trifft sich die Spitze des Aufsichtsrates, zu der auch Hofmann gehört, um weiter über das Thema zu diskutieren.

(frin)
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