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Wolfsburg
VW hält an Rückruf-Plänen fest

Wolfsburg. Bis Ende 2016 soll die Nachrüstung aller Fahrzeuge auf den Weg gebracht werden.

VW will im Abgasskandal noch in diesem Jahr die Umrüstung aller manipulierten Dieselmodelle in Europa auf den Weg gebracht haben. Ob der Konzern es aber schafft, die Aktion wie ursprünglich geplant auch 2016 abzuschließen, ist ungewiss. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Rückrufprozess das gesamte Kalenderjahr 2016 umfassen und bis Ende des Jahres für alle betroffenen Modelle begonnen haben wird", sagte der Vertriebschef der Marke VW, Jürgen Stackmann.

Bislang stehen die Werkstätten etwa 4,6 Millionen manipulierten Autos für die Umrüstung offen, weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Das ursprüngliche Ziel des Konzerns war es, die gesamte Umrüst-Aktion in diesem Jahr abzuschließen. Es fehlen aber noch Freigaben vom Kraftfahrt-Bundesamt für die technischen Lösungen zahlreicher Modelle. Im ersten Halbjahr hatte es daher schon Verzögerungen unter anderem beim Modell Passat gegeben.

Trotz des Skandals und schärferer Abgasvorgaben will VW Dieselmotoren aber noch über Jahre auch in günstigere Kleinwagen einbauen. "Es wird auch 2020 noch einen Polo-Diesel geben", sagte Stackmann, der Vertrieb und Marketing der Kernmarke VW seit November 2015 leitet. Um die Zukunft des Dieselantriebs, besonders in Innenstädten, gibt es seit der Abgas-Affäre verstärkt Diskussionen. Auch dessen Steuervorteile stehen zur Debatte.

Trotz der Diesel-Krise zeigen sich die Verkäufe bei VW-Pkw robust, die Hausmarke um Golf und Passat liegt in der Halbjahresbilanz nur 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Allerdings belasten VW noch immer weltweit juristische Streitigkeiten. Daher legte der Konzern zuletzt noch einmal mehr als eine Milliarden Euro zurück.

Die Auswirkungen des Abgasskandals bei Volkswagen lassen auch den Gewinn der Porsche SE schrumpfen. Das Konzernergebnis lag im ersten Halbjahr mit 980 Millionen Euro gut 40 Prozent unter dem Halbjahresergebnis des Vorjahres, wie die Porsche SE gestern mitteilte. Auf das Gesamtjahr gesehen peilt die Holding aber nach wie vor ein Ergebnis zwischen 1,4 Milliarden Euro und 2,4 Milliarden Euro an. Die Finanzholding war im Zuge des Übernahmekampfes zwischen VW und Porsche entstanden und hält heute mit 52,2 Prozent die Mehrheit der Stimmrechte an dem Autokonzern. Der Sportwagenbauer Porsche AG wiederum ist eine VW-Tochter.

Die VW-Krise lässt auch die Einnahmen der Familien Porsche und Piëch schrumpfen, da die Porsche SE weniger Dividenden ausschüttete: 308 Millionen Euro flossen für die Ausschüttung insgesamt ab, im Vorjahr waren es noch über 600 Millionen Euro.

(dpa/rtr)
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