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Wolfsburg
VW hat erst 50.000 Diesel-Autos repariert

Wolfsburg. Die Abgas-Affäre belastet den VW-Konzern weiter. Auch im neuen Jahr drücken die Folgen der weltweiten Diesel-Manipulationen auf den Gewinn. Und bei der Nachrüstung der Fahrzeuge kommt man kaum voran.

Volkswagen hängt in der Abgas-Schleife: Während Konkurrenten mit aller Kraft Elektroautos und selbstfahrende Wagen entwickeln können, müssen die Wolfsburger für die Sünden der Vergangenheit zahlen. Die Diesel-Krise nagt am Ertrag des Zwölf-Marken-Konzerns und lässt ihn beim Gewinn hinter den Stand von vor zwei Jahren zurückfallen. VW verliert, was derzeit am kostbarsten scheint: Zeit.

Das ist eine bittere Wahrheit. Und während der Konzern gestern bei der Zwischenbilanz offiziell ein "solides Auftaktquartal" verlautbaren ließ, hat Konzernchef Matthias Müller die Wahrheit vor seinem Führungsteam längst offen ausgesprochen: "Der Weg in die neue Autowelt wird sehr viel Geld kosten. Finanziert werden muss er mit den Einnahmen aus der alten Welt", kündigte er vor wenigen Tagen vor seinen Top-Managern an. "Die Mittel, die wir in die Elektrifizierung und in andere Zukunftsfelder investieren, müssen aus dem Kerngeschäft mit den bestehenden Fahrzeugen und klassischen Antrieben kommen." Und dort lauert der Diesel-Schatten. Er kostet Milliarden.

Um die Verkaufszahlen halbwegs stabil zu halten, muss VW nach dem Image-Verlust viel Geld in die Hand nehmen; Rabatte und Werbung schmälern die Gewinne. Anwälte verschlingen hunderte Millionen Euro. Die Umrüstung der weltweit elf Millionen manipulierten Autos kostet Unsummen - dabei hat sie immer noch nicht im großen Maßstab begonnen. Seit Jahresbeginn wurden in Europa erst 50.000 der insgesamt rund 2,5 Millionen betroffenen Autos umgerüstet. Es könne sein, dass VW es nicht schaffe, bis zum Jahresende alle Autos umzurüsten, sagte Vertriebschef Fred Kappler. Doch das war das vorgegebene Ziel.

Manager und Ingenieure kämpfen gegen die Folgen des Skandals - das kostet Kapazitäten, die in der Zukunftswerkstatt fehlen. In den USA greift sogar noch immer ein teilweiser Verkaufsstopp, und trotz erster Erfolge mit den US-Behörden stehen Milliardenstrafen bevor.

Die Diesel-Krise hält dem Konzern den Spiegel vor und zeigt offene Flanken: Vor allem die Pkw-Kernmarke weist immer mehr Anzeichen eines Sanierungsfalls auf. Nachdem sie im Schlussquartal des alten Jahres sogar in die Verlustzone gerauscht war, warf sie in den ersten drei Monaten operativ gerade einmal 73 Millionen Euro Gewinn ab.

Der Vergleich mit dem Rest der VW-Welt verdeutlicht das Dilemma: Die VW-Kernmarke verkaufte im Startquartal zwar fünfmal so viele Autos wie die kleinere VW-Schwestermarke Skoda, doch die Tschechen machten damit mehr als viermal so viel Gewinn. Zwar läuft bei VW-Pkw ein größerer Teil der Forschung und der Erfolg des renditeträchtigen China-Geschäfts taucht dort aus bilanztechnischen Gründen fast kaum auf. Dennoch: Die VW-Kernmarke hat ein Problem.

Das sagt längst auch der Chef: "Es kann schlicht nicht sein, dass ein Konzern, der zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft, die Synergien nicht in dem Maße hebt, wie das möglich und nötig wäre", schimpfte Müller vor Führungskräften. "Das kann mancher Wettbewerber besser. Es gilt, den Rückstand zu den Besten aufzuholen."

Schon unter Müllers Vorgänger Martin Winterkorn bekam VW-Pkw einen Sparkurs verordnet. Zudem soll das Wolfsburger Gewebe zwischen Konzern und Marke auseinander gezogen werden. Doch das ist keine Aktion über Nacht.

Da ist er wieder: der Faktor Zeit. Er ist kritisch in einer Phase, in der sich der Konzern vom blechbiegenden Riesen zum modernen Mobilitätsdienstleister wandeln will, bei dem das Kernprodukt Auto die Basis für digitale Services wird, deren Umsatzanteil zur tragenden Säule werden soll. Doch die Wolfsburger wirken wie Gefangene in der alten Welt, der Diesel-Schatten ist lang.

(dpa)
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