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Düsseldorf
VW-Hoffnungsträger Vahland wirft hin

VW-Hoffnungsträger Winfried Vahland wirft hin
FOTO: afp, OA/vel/dg
Düsseldorf. Der gebürtige Westfale war als Nordamerika-Chef ausgeguckt. Aber der Manager will angeblich nicht.

Mehr als fünf Jahre lang hat Winfried Vahland an der Spitze des Autobauers Skoda gestanden. Er war vorher bei Opel und bei Audi, er arbeitete für VW in China und in Brasilien. Und so schien der gebürtige Beckumer eine gute Besetzung zu sein für den schwierigen Job, VW in den Vereinigten Staaten nach dem Auffliegen des Diesel-Betrugs zurück in die Spur zu bringen. Aber daraus wird nichts. Vahland tritt die Stelle, für die er auserkoren war, nicht an. Er wolle sich nach 25 Jahren in der Volkswagen-Gruppe anders orientieren, heißt es. Zuvor hatte die "Auto Bild" über den Rückzug Vahlands berichtet. Von VW gab es noch keine Stellungnahme, aber Skoda hat den Abgang seines bisherigen Spitzenmannes bestätigt.

Nun darf man über die Motive des Westfalen spekulieren. Von unterschiedlichen Auffassungen über die Strategie in den Vereinigten Staaten war gestern die Rede. Der Aufsichtsrat hatte den 58-Jährigen zum 1. November als Konzernverantwortlichen für die neue Region USA, Mexiko und Kanada ernannt. In dieser Funktion sollte Vahland an den neuen VW-Markenchef Herbert Diess berichten.

Der Abgang von Vahland ist auch ein Nackenschlag für den neuen Volkswagen-Chef Matthias Müller. Er hatte Vahland ausgestochen, als es um die Nachfolge des bisherigen Konzernlenkers Martin Winterkorn ging. Mit der Personalie schien ein Problem im Nordamerika-Geschäft gelöst; jetzt muss Müller mitten in den Turbulenzen um den Diesel-Betrug mit weltweiten Ermittlungen gegen den Konzern und drohenden Milliardenstrafen und Schadenersatzforderungen von Kunden und Aktionären schnell einen neuen Regionalmanager finden. Der VW-Aufsichtsrat hatte erst kürzlich entschieden, dass Michael Horn Chef des US-amerikanischen Geschäfts bleibt.

In Vahland verlässt ein Manager Volkswagen, dessen Fähigkeiten in dem globalen Konzern geschätzt werden. Den ersten Ritterschlag verdiente er sich in China: Als dort vor zehn Jahren der Autoboom einsetzte, baute Vahland die dort dringend benötigen Fertigungskapazitäten auf, brachte neue Modelle an den Start und legte so die Basis für den Erfolg von VW auf dem inzwischen weltgrößten Pkw-Markt. 2010 kehrte Vahland zu Skoda zurück, wo er Anfang der 2000er Jahre schon mal im Vorstand gesessen hatte. Seither steht er an der Spitze der tschechischen VW-Tochter.

Die US-Behörden prüfen mittlerweile eine weitere Software in Modellen für 2016, über die US-VW-Chef Horn bereits vor dem Kongress gesprochen hatte und auf die Volkswagen die Zulassungsbehörden in den vergangenen Tagen hingewiesen hat. Die Umweltbehörde EPA hat sich aber noch nicht festgelegt, ob es sich um ein gezieltes Programm zur Umgehung von Abgastests handelt. Die Software in den 2016er Modellen funktioniere anders als das umstrittene Programm der Modelle 2009 bis 2015, sagte eine VW-Sprecherin. In den neuen Modellen werde der Katalysator zum Ausfiltern von Stickstoffoxid besonders rasch erhitzt, um die Leistung zu verbessern. Dies sei den Behörden vorgelegt worden und werde nun bewertet.

Quelle: RP
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