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Wolfsburg
VW-Passat: Rückruf verzögert sich

Wolfsburg. Das Fahrzeug verbraucht nach der Umrüstung angeblich mehr Sprit. Von Florian Rinke

Der Zeitplan des Rückrufs bei VW gerät bereits beim zweiten Modell in Verzug. Eigentlich sollte der Passat seit Ende Februar in den Werkstätten nachgebessert werden. Doch daraus wird nichts, weil das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Genehmigungen noch nicht endgültig erteilt hat.

Es hakt wohl, weil die Verbrauchswerte nach der Umrüstung höher sind als vorher. "Es steht Spitz auf Knopf", zitiert die Nachrichtenagentur dpa Konzernkreise. Laut Verkehrsministerium, das für das KBA zuständig ist, erfolgen die Freigaben erst, wenn klar ist, dass die Fahrzeuge alle Voraussetzungen erfüllen. Selbst ein minimal höherer Verbrauchswert wäre nicht zulässig, weil bei den Nachrüstungen eine "Null-Toleranz-Linie" gilt.

Das Software-Update, das wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte nötig ist, darf also weder die Motorleistung verringern noch den Spritverbrauch erhöhen. Das ist gar nicht so leicht. Hinzu kommt die enorme Komplexität: VW muss für jede Fahrzeugvariante eine eigene Software schreiben, testen und genehmigen lassen: Allrad oder mit Vorderrad-Antrieb, Automatik- oder Schaltwagen - all das hat Auswirkungen auf die Software. Bislang wurde nur der Amarok nachgerüstet - betroffen waren hier nur rund 8500 Modelle. Insgesamt muss VW in Deutschland knapp 2,5 Millionen Fahrzeuge nachbessern, nach dem Passat ist der Golf dran. Der Rückruf soll in insgesamt 13 Wellen über das Jahr verteilt erfolgen. Ein VW-Sprecher sagt, wann der Rückruf des Passat starte, sei derzeit offen.

Vor dem Landgericht Bochum errang VW gestern indirekt einen Sieg. Im Prozess ging es um die Frage, ob ein VW-Fahrer sein Fahrzeug an das Autohaus aufgrund der Abgas-Manipulationen zurückgeben darf. Der Richter sah für einen Rücktritt vom Kaufvertrag jedoch keine ausreichende Grundlage. Der Mangel lasse sich mit geringem Aufwand beheben. Der Schaden liegt damit unterhalb der Bagatellgrenze von einem Prozent des Kaufpreises. Der Anwalt des Klägers will in Berufung gehen. Auch andere Anwälte sehen das Urteil kritisch. "Wir und einige Kollegen glauben, dass in dem Verfahren noch nicht alle Argumente vorgebracht wurden. ", sagt etwa Rechtsanwalt Marco Rogert von der Kanzlei Rogert & Ulbrich, die momentan rund 250 Fälle zum Thema VW bearbeitet: "Wir sehen daher weiterhin gute Chancen für VW-Kunden."

Quelle: RP
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