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Wolfsburg
VW ruft Touareg und Cayenne zurück

Wolfsburg. Der Rückruf im Abgas-Skandal stockt. Nun müssen 800.000 weitere Fahrzeuge in die Werkstatt.

Mitten im VW-Abgas-Skandal rufen Volkswagen und die Konzerntochter Porsche weitere rund 800.000 Fahrzeuge zurück. Die baugleichen Modelle des Typs VW Touareg und Porsche Cayenne aus den Baujahren 2011 bis 2016 Cayenne würden wegen eines möglicherweise gelösten Sicherungsrings am Lagerbock der Pedale in die Werkstätten gerufen, teilten die Unternehmen mit. In Deutschland seien knapp 58.000 Touareg und gut 30.000 Cayenne betroffen. "Das Problem wurde bei internen Untersuchungen erkannt und in der laufenden Produktion bereits abgestellt", hieß es. Der Eingriff werde weniger als eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Erst am vergangenen Mittwoch hatte VW bestätigt, dass wegen Problemen an der Zentralelektrik weltweit 177.000 Passat zurückgerufen werden, davon 63.000 in Deutschland.

Beide Rückrufe haben nichts mit dem Abgas-Skandal zu tun. Dort geht die Aufarbeitung nur langsam voran. Zunächst hatte das Unternehmen noch aufs Tempo gedrückt. Der Amarok wurde im Januar sogar in die Werkstatt gerufen, obwohl keine Genehmigung des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) vorlag. Schnell reichte die Behörde sie damals nach. Es wirkte, als kusche man vor dem mächtigen Auto-Konzern.

Zwei Monate später ergibt sich ein anderes Bild: Seit Wochen wartet VW auf eine Genehmigung, damit auch der Passat in die Werkstätten gerufen werden kann. Aber das KBA lässt sich Zeit. "Die Gespräche und Messungen werden nach Ostern fortgesetzt", sagte ein VW-Sprecher. Bis dahin: Stillstand. Auch in den USA stockt die Aufarbeitung, weil es noch keine Einigung mit der Umweltbehörde Epa gibt. Bis Donnerstag hatte Richter Charles Breyer den Parteien Zeit gegeben, nun gewährte er Aufschub bis 21. April. "In Anbetracht der Fortschritte werde ich den Streitparteien Zeit bis zum nächsten Treffen geben", so Breyer.

Es ist nicht die einzige juristische Baustelle für VW. Kunden, Anleger, Umweltbehörden - der Konzern hat sich mit seinen Manipulationen viele Gegner gemacht. Viele deutsche Kanzleien bemühen sich bereits um VW-Kunden, auch US-Anwälte wittern ihre Chance. Zuletzt sorgte US-Topanwalt Michael Hausfeld für Schlagzeilen. Er hat unter anderem erfolgreich Schadenersatz für Opfer der Exxon-Valdez-Ölpest erstritten.

Bei der Razzia gegen VW im Oktober 2015 ist laut "Spiegel" auch der Technikentwickler IAV durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wollte den Bericht nicht kommentieren. IAV gehört zu 50 Prozent VW. Das Berliner Unternehmen beschäftigt rund 6500 Mitarbeiter und arbeitet unter anderem an der Entwicklung der Motorsteuerung von VW-Pkw.

(dpa/frin)
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