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Wolfsburg
VW-Skandal trifft in USA noch mehr Autos

Wolfsburg. Der Autobauer kürzt die Investitionen für das kommende Jahr um fünf Milliarden Euro - weniger stark als befürchtet..

Im Abgas-Skandal von Volkswagen geraten noch mehr Autos ins Visier der US-Aufseher. Vertreter des Konzerns hätten bei einem Treffen eingeräumt, dass Diesel-Fahrzeuge der Marken VW und Audi mit 3,0-Liter-Motoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer verdächtigen Software ausgestattet seien, teilten die Umweltbehörden EPA und CARB mit. Bislang war in diesem Fall nur wegen dubioser Ergebnisse bei Emissionstests von Fahrzeugen der Baujahre 2014 bis 2016 ermittelt worden. Die Software ist allerdings eine andere, als die bereits als Schummel-Programm überführte, deren manipulativen Einsatz bei Emissionstests VW bereits im September eingestanden hat. Die zweite verdächtige Software wird "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) genannt und betrifft auch die Premiummarke Porsche. Ob es sich um ein Schummel-Programm handelt, muss sich erst zeigen.

VW will im Abgas-Skandal die Einschnitte bei den Investitionen möglichst klein halten. Der Aufsichtsrat beschloss, die Sachinvestitionen 2016 auf maximal rund zwölf Milliarden Euro zu senken. Das ist nur etwa eine Milliarde weniger als bisher im Schnitt pro Jahr geplant. Zugleich beschloss das Kontrollgremium, im nächsten Jahr 100 Millionen Euro mehr in alternative Antriebe zu stecken. Der Konzern will sich wegen des Diesel-Skandals verstärkt auf Elektroautos konzentrieren. Die Investitionen in China bleiben unverändert. "Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht", erklärte der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller.

"Wir gehen durch eine Zeit der Unsicherheit und Volatilität, darauf stellen wir uns ein", sagte Müller. Bei den Ausgaben werde alles gestrichen, was nicht zwingend nötig sei. So wird etwa das neue Designzentrum in Wolfsburg zunächst nicht gebaut. Dadurch sollen 100 Millionen Euro eingespart werden. Die Kürzungen waren Konzernkennern zufolge mit ein Grund dafür, dass sich Designchef Walter de Silva Ende November zurückziehen wird. Außerdem steht der Bau einer Lackiererei in Mexiko auf der Kippe. Bei den Fahrzeugen wird die geplante Neuauflage des Phaeton verschoben. Das Luxusmodell soll nach früheren Angaben 2019/20 als reines Elektroauto auf den Markt kommen. Müller kündigte Entscheidungen über weitere Kürzungen für die nächsten Wochen an. Dabei will der Vorstand eng mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten.

Der Großteil der geplanten Sachinvestitionen entfällt auf neue Produkte und die Weiterentwicklung des Baukastensystems, das es nun auch für Elektroautos geben soll. Der vom früheren Konzernchef Martin Winterkorn forcierte Bau neuer Werke wird vorerst nicht weiter verfolgt. Müller kündigte an, nur die laufende Kapazitätserweiterung fertigzustellen. Dabei handele es sich zum Beispiel um Produktanläufe wie den Golf der nächsten Generation oder den Audi Q5, das neue Werk für den Crafter in Polen sowie Vorleistungen für den Modularen Elektrobaukasten.

Im vergangenen Jahr hatte der Aufsichtsrat für Investitionen im Fünf-Jahres-Zeitraum von 2015 bis 2019 die Rekordsumme von etwa 85,6 Milliarden Euro beschlossen, 17,1 Milliarden Euro pro Jahr. Davon entfielen rund 64,3 Milliarden Euro auf Sachinvestitionen, knapp 13 Milliarden Euro im Jahr. Müller hatte aber bereits nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen angekündigt, alle Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen. Einige Finanzanalysten schätzen den möglichen Gesamtschaden für den Konzern langfristig auf 20 bis 40 Milliarden Euro.

Neben Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen sowie Kosten für Reparaturen muss der Volkswagenkonzern womöglich Autos zurücknehmen. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, Mary Nichols, sagte dem "Handelsblatt", es sei "ziemlich wahrscheinlich, dass Volkswagen wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss". Erfahrungen mit anderen Herstellern hätten gezeigt, dass ein Nachrüsten der Fahrzeuge oft nicht so gut funktioniere wie geplant, erklärte Nichols.

(dpa/rtr)
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