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Wolfsburg/Düsseldorf
VW spart sich wohl Mitarbeiter-Bonus

Wolfsburg/Düsseldorf. Im März bekam jeder Beschäftigte des Autobauers 5900 Euro. Nächstes Jahr gibt es wegen der Krise vermutlich nichts. Gleichzeitig wird bekannt, dass in NRW 456.000 VW von der Rückrufaktion betroffen sind. Anwälte bereiten Klagen vor. Von Reinhard Kowalewsky

Die VW-Mitarbeiter in Deutschland müssen nächstes Jahr voraussichtlich den Gürtel enger schnallen. Betriebsratschef Bernd Osterloh, der auch einer der mächtigsten Aufsichtsräte des Konzerns ist, machte deutlich, dass sie anders als in diesem Jahr wohl keinen Bonus erhalten werden: "Zehn Prozent von null ist null", sagte er gestern. Das kann nicht anders verstanden werden, als dass er für 2015 wegen der Milliardenausgaben für die Bewältigung des Motorenskandals keinen operativen Gewinn erwartet. Und weil zehn Prozent des operativen Gewinns als Bonus ausgeschüttet werden, gibt es bei null Gewinn eben auch keine Prämie. Betroffen sind 120.000 Mitarbeiter im deutschen VW-Haustarifvertrag, die in diesem März noch rückwirkend für 2014 pro Kopf 5900 Euro brutto erhielten.

Osterloh fordert nun, dass auch die Manager bei ihren Prämien Verzicht üben. Dafür gebe es eine "moralische Verpflichtung", sagt der Arbeitnehmervertreter. Allerdings hat der Betriebsratschef bisher nicht verlangt, dass Konzernchef Martin Winterkorn einen Teil seines Gehalts zurückzahlt, weil in seiner Amtszeit ja die Motorenmanipulationen begangen wurden. Winterkorn hatte mit Zustimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat ein Gehalt von knapp 16 Millionen Euro im Jahr erhalten - mehr als jeder andere Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns.

Derweil hat die Bundesregierung bekannt gegeben, dass in Nordrhein-Westfalen 456.000 VW von der bevorstehenden Rückrufaktion erfasst sein werden. Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen, Oliver Krischer, hervor. Insgesamt sind bundesweit rund 2,4 Millionen Wagen betroffen - der Anteil betroffener Autofahrer in Nordrhein-Westfalen ist damit etwas kleiner als der Anteil der NRW-Bürger an der Gesamtbevölkerung Deutschlands.

Gleichzeitig bereitet eine Reihe an deutschen Anwälten Klagen gegen VW wegen der Abgasaffäre vor. Laut "Spiegel" wird dies beispielsweise der bisherige Kartellrechtsexperte der Deutschen Bahn, Christopher Rother, machen. Er wird in Berlin Partner der international aktiven Kanzlei Hausfeld und will eine Klage gegen VW in London einreichen. Die Kanzlei ist im Gespräch mit Flottenbetreibern, deren Fahrzeuge an Wert verloren.

Eine Sammelklage für Privatkunden organisiert die Düsseldorfer Kanzlei Baum Reiter und Kollegen über die holländische Stiftung "Volkswagen Car Claim". 50.000 Autobesitzer hätten sich registriert, sagt Kanzleipartner Julius Reiter. Die Klage solle durchsetzen, dass VW-Fahrern bei der Rückrufaktion auch ein Mietwagen bezahlt werde. Auch müssten die Kosten für einen möglicherweise höheren Spritverbrauch ersetzt werden. VW meint allerdings, nachgerüstete Wagen würden nicht mehr verbrauchen.

Quelle: RP
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