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Detroit/Wolfsburg
VW verteilt weitere Gutscheine in USA

Detroit/Wolfsburg. Auch Besitzer von Autos mit Drei-Liter-Motoren erhalten 1000 Dollar, mit denen sie einkaufen können. Das Unternehmen bietet außerdem drei Jahre lang kostenlose Pannenhilfe an. Der Konzern hält an Milliardeninvestitionen in den USA fest. Von Reinhard Kowalewsky

In den USA hat die Motorenaffäre von VW begonnen, in den USA will der Konzern nun am meisten auf die Kunden zugehen, um sein Image wieder aufzupeppen. Diese Botschaft verkündete Vorstandschef Matthias Müller gestern bei einem Besuch der traditionellen Automobilmesse in Detroit. "Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben", sagte Müller in Detroit. "Es sind nicht nur unsere Autos, die wir reparieren müssen -es ist auch unsere Glaubwürdigkeit." VW hatte Mitte September eingeräumt, mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben, nachdem US-Forscher dies herausgefunden hatten. Dies hatte den Konzern in eine schwere Krise gestürzt, erst später räumte er ähnliche Tricks auch in Deutschland und Europa ein.

Um die Kunden in den USA zu besänftigen, will der Konzern nun das Entschädigungsprogramm mit Gutscheinen ausweiten. Auch Besitzer von Wagen mit Drei-Liter-Motoren erhalten nun Einkaufsgutscheine in Höhe von 1000 Dollar (umgerechnet 920 Euro) als Ausgleich für ihren Schaden. Das gleiche Paket hatte Volkswagen im November 2015 bereits für kleinere von der Affäre um manipulierte Emissionstests betroffene Modelle in USA beschlossen. 500 Dollar können in VW-Autohäusern eingelöst werden, der Rest ist als eingezahltes Guthaben beim Kreditkartenanbieter Visa frei verfügbar.

Darüber hinaus will Volkswagen drei Jahre lang rund um die Uhr kostenlos Pannenhilfe anbieten. Kunden, die sich für die Gutscheine entscheiden, müssen ihre Haftungsansprüche gegenüber Volkswagen nicht aufgeben. Dazu meint Klaus Müller als Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv): "Es wäre wünschenswert, wenn Volkswagen auch im Heimatmarkt so großzügig wäre."

Der US-amerikanischen Umweltbehörde will Müller bei einem geplanten Spitzentreffen am Mittwoch ein Paket an Vorschlägen vorlegen. "Wir sind keine kriminelle Marke und keine kriminelle Gruppe", erklärte der frühere Chef von Porsche, der nur Vorstandschef von VW als Gesamtkonzern wurde, weil Ex-Chef Martin Winterkorn wegen der Motorenaffäre zurücktreten musste.

"Unser ganzer Einsatz zielt jetzt darauf ab, die Dinge in Ordnung zu bringen", ergänzte Müller und sagte: "Ich bitte um Entschuldigung für das, was bei Volkswagen falsch gelaufen ist." Auf die Frage, ob der Autokonzern eine technische Lösung habe, antwortete der Vorstandsvorsitzende: "Aus unserer Sicht: ja."

Man müsse aber abwarten, wie die Behörde das sehe. Er bestätigte, das Problem zu hoher Abgaswerte könne durch einen in den vergangenen Monaten von VW neu entwickelten Katalysator gelöst werden. Das Teil solle in rund 430.000 Fahrzeuge in den USA eingebaut werden, die mit der ersten Generation des Dieselmotors EA 189 unterwegs seien. Insgesamt muss VW eine Lösung für 600.000 Autos präsentieren.

Müller bekräftigte, Volkswagen wolle trotz drohender Milliardenklagen von Verbrauchern und des massiven Imageschadens an seinen Investitionsplänen in den Vereinigten Staaten festhalten. Zusätzlich zu den bisherigen Ausgaben von mehr als einer Milliarde Dollar für das Werk Chattanooga im Bundesstaat Tennessee plane der Konzern weitere Investitionen in Höhe von rund 900 Millionen Dollar. "Die USA sind und bleiben ein Kernmarkt für den Volkswagen-Konzern", sagte Müller. Bisher hätten sich nur sehr wenige Kunden wegen des Abgasskandals beschwert oder eine Rücknahme der betroffenen Fahrzeuge gefordert, sagte US-Chef Michael Horn.

Quelle: RP
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