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Düsseldorf
Warum die Metro sich aufspalten will

Warum die Metro eine Aufspaltung will
FOTO: Ferl
Düsseldorf. Die Cash & Carry-Märkte und die Real-Häuser gehen in die eine, die Elektronikfachmärkte in die andere Gesellschaft. Der geteilte Konzern wird so für Investoren wohl attraktiver. Und er verringert den Einfluss von Erzfeind Kellerhals. Von Georg Winters

Seit dem Börsengang der Metro vor zwei Jahrzehnten hat der Konzern keinen tiefgreifenderen Einschnitt erlebt als den, der nächstes Jahr über die Bühne gehen soll. Zwei börsennotierte Aktiengesellschaften, eine zuständig für den Groß- und Lebensmittelhandel, die andere für das Geschäft mit Verbraucherelektronik - das ist der Plan, mit dem der Handelskonzern für Geldgeber attraktiver werden möchte: Investoren, die ihr Geld in das eine oder das andere Segment stecken wollen, aber nicht in einen Gemischtwarenladen. Die Synergien sind ohnehin klein.

Deshalb hat es auch nicht überrascht, dass die Börse die Ankündigung von Metro-Chef Olaf Koch als frohe Botschaft aufgenommen hat. Auf die Börsianer wirkte der Mischkonzern in Zeiten, in denen sich aus der Not heraus Energiekonzerne wie Eon und RWE zerlegen, wie ein Anachronismus. Mehr als 13 Prozent hat die im M-Dax notierte Aktie gestern zeitweise zugelegt, damit stieg der Börsenwert des Düsseldorfer Unternehmens auf mehr als acht Milliarden Euro. Die Einzelbereiche dürften in der Addition deutlich mehr wert sein. Geplant ist, dass die Anteilseigner Aktien an beiden Gesellschaften im Verhältnis zu ihren bestehenden Anteilen erhalten.

Die Börse empfindet die Aktion als Befreiungsschlag - auch im Dauerstreit mit Intimfeind Erich Kellerhals. Dem bleiben zwar seine Vetorechte an der Media-Saturn Holding GmbH, an der er knapp 22 Prozent hält. Aber die wird dann nur noch eine Gesellschaft unter dem Dach einer börsennotierten Elektronik-Fachhandels-AG sein. Darunter kann die Metro nach Belieben zukaufen, wie sie will, und die strategische Bedeutung des Media-Markt-Gründers für sein Leib-und-Magen-Geschäft wird kleiner. "Die Gruppe wird in den kommenden fünf Jahren mehr sein als Media-Saturn", sagt Koch. Nach Einschätzung des Mönchengladbacher Handelsprofessors Gerrit Heinemann schlägt die Metro zwei Fliegen mit einer Klappe: "Erstens kann Media-Saturn über die Börse Milliardenbeträge generieren, die es für den Kampf gegen Amazon dringend braucht und die die Metro nicht zur Verfügung stellen könnte. Zweitens wird die Position von Kellerhals geschwächt."

Was aus dem Handel mit Lebensmitteln langfristig wird, bleibt offen. Auf diesen Teil entfallen knapp zwei Drittel des Metro-Umsatzes und drei Viertel des operativen Ergebnisses, und rein formal wird er in einem Spinn-off abgespalten. Mittel- bis langfristig erscheint sogar eine Zusammenlegung von Cash & Carry und Real nicht ausgeschlossen. Der Versuch jedenfalls, die SB-Warenhauskette Real zu verkaufen, war bislang nicht von Erfolg gekrönt. Branchenexperten halten dieses Unterfangen auch für schwierig. Heinemann: "Möglicherweise wird Real auf Dauer zerlegt oder abgewickelt. Olaf Koch hat ja eingeräumt, dass es kaum möglich ist, das Unternehmen ohne zusätzliches Personal erfolgreich neu auszurichten."

Zudem soll künftig der komplette Lebensmittelhandel, ob er nun die Geschäftskunden oder den Endverbraucher betrifft, auf allen Vertriebskanälen stattfinden. "Multi-Channel" heißt das im Fachjargon, und das ist im Handel so ziemlich das einzige, was aktuell zählt. Motto: Der Kunde soll bestellen, kaufen und bezahlen können, wie und wo er will, und das Gleiche gilt dann auch für die Lieferung der Ware. "Cash & Carry ist Geschichte", hat Koch gestern gesagt. "Denn es beschreibt nicht mehr das, was wir morgen sein werden." Auf deutsch: Dass Großhandels-Kunden in den Abholmarkt fahren, dort einkaufen und bezahlen, kann nicht das allein selig machende Modell sein. Das gilt gleichermaßen für Media-Saturn.

Bis Mitte 2017 soll die Aufspaltung umgesetzt sein. Natürlich müssen die Aufsichtsräte dem Vorhaben noch zustimmen, mehrere Behörden müssen ihren Segen geben. Und natürlich müssen auch die Eigentümer Ja sagen. Das passiert bei einer Hauptversammlung. Die großen Eigentümer, die Haniels, die Schmidt-Ruthenbecks und die Erben des legendären Otto Beisheim, haben bereits erklärt, dass sie für die Pläne des Vorstandes sind. "Vermutlich haben die Haniels und Co. Druck gemacht, weil sie mehr Rendite auf ihr Investment sehen wollen", sagt Heinemann.

Einige wichtige Personalien sind auch noch zu klären. Über die beiden elementaren, nämlich die Posten der Chefs, ist schon entschieden. Olaf Koch wird das Geschäft im Groß- und Lebensmittelhandel führen, Pieter Haas, der schon Geschäftsführer von Media-Saturn ist, wird Chef im Elektronikfachhandel. Auch hier entsteht ein Nebeneffekt in Sachen Kellerhals: Aus dem neuen Amt kann der Branchenpionier den Niederländer endgültig nicht herausklagen. Bei der Media-Saturn GmbH konnte er es zumindest versuchen - aber auch ohne Erfolg.

Quelle: RP
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