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Mountain View
Warum stiftet dieser Mann 45 Milliarden Dollar?

Mountain View. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will Milliarden in eine Stiftung einbringen. Ziel: Der Aufbau einer besseren Welt fernab staatlicher Einflüsse. Von Florian Rinke

Mark Zuckerberg, das sollte seine neugeborene Tochter Max ruhig wissen, ist einer der größten Halunken der Welt. Sein Plan, 99 Prozent seines Vermögens in eine Stiftung zu überführen, ist ein riesiges Steuer-Spar-Modell (siehe unten). Mark Zuckerberg, auch das sollte seine Tochter wissen, könnte schon bald einer der größten Wohltäter der Welt sein. Rund 45 Milliarden Dollar (42,9 Milliarden Euro) würden angesichts des aktuellen Aktienkurses von Facebook zur Verbesserung der Welt zur Verfügung stehen.

Ist das also nicht vielmehr der Versuch eines Nerds, eines etwas verschrobenen Technikfreaks, gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen, gemocht zu werden? Denn natürlich hätte Zuckerberg auch einfach still und heimlich mit dem Aufbau einer Stiftung beginnen können. Stattdessen kündigte er den Schritt - wen wundert's - bei Facebook an.

Und genau darum geht es schließlich bei dem sozialen Netzwerk: Den Aufbau eines Images. "Die Frage ist nicht: ,Was wollen wir über Menschen wissen?', die Frage ist: ,Was wollen die Menschen uns über sich selbst erzählen?", hatte Zuckerberg einst laut Business Insider gesagt.

Folgt man diesem Gedanken, geht es Zuckerberg darum zu zeigen, dass keiner so spendabel ist wie er. Nicht Microsoft-Gründer Bill Gates, nicht Investment-Legende Warren Buffet, niemand hat je eine so große Summe für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt - und schon gar nicht in diesem Alter. Zuckerberg ist 31 Jahre alt.

Doch das ist wohl nur ein Teil der Wahrheit. Wahrscheinlicher ist, dass es dem Milliardär um mehr geht, da darf man seinen Brief an Töchterchen Max wörtlich nehmen. "Wie alle Eltern wollen wir, dass du in einer Welt aufwächst, die besser ist als unsere heutige", schreibt er. Doch dafür werde aktuell viel zu wenig getan. Die Ressourcen würden nicht genutzt, um die größten Herausforderungen und Probleme anzugehen, mit denen künftige Generationen konfrontiert werden. Die Gesellschaft gebe 50 Mal so viel Geld dafür aus, kranke Menschen zu behandeln, als in die Forschung zur Bekämpfung von Krankheiten zu investieren, heißt es weiter.

Dem Staat traut Zuckerberg diese Aufgabe offensichtlich nicht zu. Statt Steuern zu zahlen und darauf zu vertrauen, dass demokratisch gewählte Volksvertreter dieses den richtigen Stellen zukommen lassen, davon Brücken bauen und Lehrer bezahlen, zieht er es aus dem System, um seine eigenen Projekte zu verfolgen. Also, das scheint die Schlussfolgerung zu sein, müssten es Unternehmer wie Zuckerberg selbst in die Hand nehmen. Es ist die typische Denke im Valley.

Die Internetunternehmer glauben an die Überlegenheit der Technologie, aus der sich ihr Gefühl speist, moralisch im Recht zu sein. Sie sind davon überzeugt, mit ihren Erfindungen Gutes zu tun. Google macht den Menschen weltweit Wissen zugänglich. Und dank dem Fahrdienstanbieter Uber kann die Ressource Auto viel besser ausgelastet werden, weil jeder seine Dienste als Fahrer anbieten, gleichzeitig aber auch die anderer Anbieter nutzen kann. Facebook verbindet die Menschen sozial. Und hatte das Unternehmen nicht zuletzt bei den Terroranschlägen von Paris gezeigt, dass es auch in Ausnahmesituationen hilfreich sein kann? Betroffene konnten als Status im sozialen Netzwerk "In Sicherheit" einstellen, so dass Freunde und Familie nicht in Panik ausbrechen mussten.

Durch Technik, das ist der Glaube im Valley, wird die Welt besser.

Die Gründer wollen daher auch nicht bloß Unternehmen groß machen, nicht nur für ein bisschen Fortschritt sorgen. Sie wollen für Quantensprünge sorgen. Der Chef des Elektroauto-Bauers Tesla, Elon Musk, denkt über Zivilisationen auf dem Mars nach. Die Google-Gründer Sergej Brin und Larry Page experimentieren mit selbstfahrenden Autos, Kontaktlinsen, mit denen sich der Blutzuckerspiegel messen lässt, und Nano-Partikeln, die in den Körper geschleust werden sollen, um Krankheiten zu suchen.

Auch Mark Zuckerberg hat immer wieder in Geschäfte investiert, die nichts mit dem sozialen Netzwerk zu tun hatten. Erst am Montag hatte er anlässlich des Weltklimagipfels in Paris gemeinsam mit Microsoft-Gründer Bill Gates, Amazon-Chef Jeff Bezos und anderen bekannten Unternehmern die Initiative "Breakthrough Energy Coalition" vorgestellt. Sie soll neuartige Projekte im Kampf gegen den Klimawandel fördern.

Dass es Zuckerberg nicht nur darum geht, ein Unternehmen zu lenken, gibt er auch unumwunden zu: "Mein Ziel war es nie, nur ein Unternehmen aufzubauen. Das missverstehen viele Leute", hat er mal gesagt. Ihm gehe es nicht um Gewinne und Wachstum, sondern darum, eine große Veränderung in dieser Welt zu bewirken.

Natürlich könnte der Facebook-Gründer diese auch durch eine Spende an eine internationale Hilfsorganisation anstoßen. Stattdessen soll die "Chan Zuckerberg Initiative", die Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chan, einer Kinderärztin, gründet, lieber eine Art Investmentgesellschaft mit gemeinnützigem Anstrich werden. In seinen Brief an Max macht Zuckerberg deutlich, worum es geht: Die Stiftung soll Krankheiten bekämpfen, die Welt mit Internetzugängen vernetzen, für mehr Bildung sorgen. Dazu soll sie in Unternehmen investieren können, sogar Gewinne machen, die dann wiederum für neue Projekte genutzt werden könnten. Ist Zuckerberg also Halunke oder Heilsbringer? Die Wahrheit liegt wohl im Auge des Betrachters.

Quelle: RP
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