| 08.04 Uhr

Düsseldorf
Was Aktienkäufer wissen müssen

Düsseldorf. Im Moment herrscht an den Aktienmärkten große Unsicherheit. Langfristig glauben zwar alle an steigende Kurse, aber für 2016 sind viele eher vorsichtig. Lesen Sie die Trends und die Aktien, die zwei Experten empfehlen. Von Georg Winters

Ungeklärte Flüchtlingsfrage, Unsicherheit über die Entwicklung in China, Fragezeichen hinter der Beendigung des Ukraine-Konflikts und wegen der Wirtschaft in den USA - momentan gibt es viel Verunsicherung an der Börse. Wohin geht die Reise? Und was heißt das für Anleger?

Für Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe ist Amerika der entscheidende Maßstab: "Der US-Markt ist das zentrale Problem. Amerikanische Aktien sind immer noch hoch bewertet, aber die Firmengewinne steigen nicht. Die Notenbank Fed will die Zinsen erhöhen, und es drohen zunächst einmal negative Konjunkturüberraschungen. Somit kann der US-Aktienmarkt durchaus fünf bis zehn Prozent verlieren, und dem wird sich auch der Dax nicht entziehen." Zudem könne es dem europäischen Handel schaden, wenn flächendeckend Grenzkontrollen eingeführt würden, um die Flüchtlingsströme zu kontrollieren."

Euphorie hört sich anders an. Zimmermanns Jahresend-Prognose für den wichtigsten deutschen Index: "10.800 Punkte." Für Ende 2017 sagt er sogar "nur" noch 10.600 Punkte voraus. Und: "Wir haben die Jahrestiefststände in diesem Jahr noch nicht gesehen, der Dax kann auch unter 8500 Punkte fallen."

Die 10.800-Punkte-Prognose deckt sich mit der von Frank Wohlgemuth, Abteilungsleiter Research bei der WGZ Bank. Wobei er starke Schwankungen nicht ausschließt und für das Börsenbarometer im Jahresverlauf eine Bandbreite von 8300 und 12.000 Punkten für möglich hält. Auch Wohlgemuth bleibt vorsichtig angesichts zahlreicher Krisenherde, die vor allem den exportorientierten Unternehmen schaden könnten. Andererseits seien es genau diese Aktien, "die schon geprügelt worden sind", so dass hier auch für mutige Anleger Einstiegs-chancen vorhanden seien. Dagegen würde Wohlgemuth von Bankaktien derzeit eher abraten, weil die Margen durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld sowie regulatorische Anforderungen durch die Aufsicht niedrig bleiben.

Wer das Risiko nicht scheut, findet indes in Zeiten niedriger Zinsen kaum eine rentierlichere Geldanlage als Aktien. Fest steht: Wer geschickt handelt und Glück bei seinen Investments hat, der kann am Aktienmarkt Geld verdienen. Aber: Wer sein Geld kurzfristig braucht, sollte wegen des Verlustrisikos keine Aktien kaufen. Langfristig waren die Gewinnchancen dagegen schon immer überdurchschnittlich groß und natürlich erst recht in Zeiten der Niedrigzinsen. Wer keine Zeit hat, Kurse zu beobachten, sollte Fondsanteile kaufen. Wann man kauft und verkauft, ist eine Frage der Nerven und der Position. In Einzelfällen verdienen Zocker viel Geld, aber mitunter lässt sich mit mehr Geduld mehr Ertrag erzielen. Zudem produziert jede Transaktion neue Kosten. Wenn eine Aktie längere Zeit gut läuft, sollte man Gewinne einstreichen.

Was man jetzt konkret kaufen soll, dazu haben wir die beiden Experten auch befragt. Hier die Tipps:

Frank Wohlgemuth, WGZ-Bank

Für risikofreudige Anleger empfiehlt er die Indus Holding ("Wachstumsdynamik intakt, schlanke Holdingstruktur, breite Diversifizierung sowie viele hochprofitable Nischenanbieter im Portfolio") und den Spezialchemieanbieter Lanxess. Hier sprächen unter anderem eine umfassende Konzernneuausrichtung, ein kapitalmarkterfahrenes Management und das laufende Kostensparprogramm für ein Investment.

Bei mittleren Risiken heißen seine Tipps Bayer und Daimler. Die Leverkusener, weil sie Marktführer in Schlüsseltherapien seien und Fortschritte bei der Profitabilität gemacht hätten. Zudem seien die Wachstumsaussichten der Pharmasparte gut, und die Position im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten sei gestärkt worden. Für den Autobauer Daimler sprächen dessen Premiumstrategie, zahlreiche neue Modelle (SUV, E-Klasse), die dynamische Nachfrage in China und die hohe Dividendenrendite. Wer das Risiko nicht mag, dem legt Wohlgemuth die Roche Holding und Continental ans Herz. Die Schweizer hätten unter anderem eine umfangreiche Produktpipeline und die Diagnostik als zusätzliches Standbein entwickelt, Continental profitiere von den Techniktrends (Fahrerloses Auto), einem sehr attraktiven Produktportfolio und steigender Reifennachfrage in Asien.

Ralf Zimmermann, Bankhaus Lampe

Aus seiner Sicht sind deutsche Immobilienaktien nach wie vor der interessanteste Sektor. "Die Zinsen bleiben auf lange Sicht niedrig", sagt Zimmermann. Damit sei der wichtigste Treiber für die dividendenstarken Aktien intakt. Top-Werte seien Vonovia und Hamborner. Für konservative Anleger blieben der Krankenhausbetreiber RhönKlinikum ("stabiles Geschäfts- und Gewinnmodell") und der Versicherer Talanx ("Dividendenrendite von rund fünf Prozent") attraktiv. Risikofreudigere Anleger sollten sich den italienischen Versicherer Generali anschauen ("Dividendenrendite über sechs Prozent").

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Was Aktienkäufer wissen müssen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.