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Finanztipp
Was tun, wenn das Auto zuviel verbraucht?

Das sind zehn der größten Spritschlucker der Welt
Das sind zehn der größten Spritschlucker der Welt FOTO: tmn
Düsseldorf. Wenn das neue Auto über zehn Prozent mehr verbraucht als angegeben, kann der Käufer den Wagen zurückgeben oder Minderung verlangen. Er muss den Mehrverbrauch allerdings beweisen. Von Daniel Pöhler

Die Freude über ihren neuen Audi A1 währte bei Familie Gelbrich nur kurz. Es stellte sich heraus, dass der Kleinwagen statt der angegebenen 5,4 Liter im Alltag 8,5 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Dadurch würden der Familie bei einer durchschnittlichen Fahrleistung Mehrkosten von etwa 520 Euro im Jahr entstehen. Vater Thomas Gelbrich beschwerte sich darüber beim Händler. Doch der Hersteller Audi erklärte, es liege kein Mangel vor.

Mit dem Problem stehen die Gelbrichs nicht alleine da. Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ermittelt hat, tricksen die Autohersteller bei den offiziellen Verbrauchsangaben im großen Stil. Demnach schlucken die in Deutschland meistverkauften Modelle durchschnittlich 38 Prozent mehr Sprit, als die Hersteller in den Prospekten versprechen. Viele Autofahrer wissen zwar, dass die angegebenen Werte unter Laborbedingungen ermittelt werden und tatsächlich kaum zu erreichen sind. Doch laut DUH hat die Abweichung in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Und das kann den Kunden teuer kommen: Über alle Fahrzeugklassen und auf ein durchschnittliches Autoleben von zwölf Jahren gerechnet, entstehen den Besitzern dadurch Zusatzkosten für Kraftstoff von etwa 6.000 Euro.

Nach Angaben der DUH optimieren die Autohersteller ihre Fahrzeuge zu sehr auf einen abstrakten Prüflauf statt auf den Alltagseinsatz. So sollen die Hersteller für den Testlauf zum Teil spezielle Leichtlaufreifen mit hohem Luftdruck aufziehen, die Spalten der Karosserie abkleben und die Lichtmaschine abschalten. In der Realität würde das Auto so nach kurzer Zeit liegenbleiben. Außerdem gibt es der DUH zufolge manchmal einen speziellen Sparmodus, der sich einschaltet, wenn die Sensoren erkennen, dass das Fahrzeug auf einem Prüfstand steht. Dieser Modus steht im Alltag nicht zur Verfügung. Allerdings sind die Tricks der Autoindustrie derzeit alle legal und daher kein Grund für eine Reklamation.

Kunden sollten deshalb nicht dem Hersteller oder Händler vertrauen, wenn es um den Verbrauch geht. Einen realistischen Benzinverbrauch für den Alltagseinsatz erfahren sie eher von anderen Käufern auf spezialisierten Internetportalen. Empfehlenswert ist Spritmonitor.de.

Wenn der Kunde den neuen Wagen mit dem zu großen Durst schon gekauft hat, bleiben ihm noch zwei Möglichkeiten: Er kann das Auto zurückgeben oder eine Minderung des Kaufpreises fordern.

Laut einem Grundsatzbeschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) darf der gemessene Verbrauch nicht mehr als zehn Prozent von der Herstellerangabe abweichen (18. Juni 2007, Az. VIII ZR 19/05). Schluckt der Wagen mehr, ist der Fahrzeugwert erheblich gemindert. Dann kann der Käufer das Auto zurückgeben und sich den Kaufpreis erstatten lassen. Er kann den Wagen aber auch behalten und einen Teil des Preises zurückverlangen (Minderung). Dafür hat der Betroffene ab dem Kaufzeitpunkt zwei Jahre Zeit.

Dazu muss er aber den Spritverbrauch gerichtsfest beweisen, was im Normalfall nur durch ein Gutachten möglich ist. Auch wird ein Anwalt nötig sein. Wie man juristisch genau vorgehen sollte, steht hier.

 

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