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Luxemburg
Weniger Dorsch im Netz

Luxemburg. In der Ostsee sind die Dorsch-Bestände erschöpft. Zuwächse gibt es bei Hering und Sprotte. Von Laura Harlos

Deutsche Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Dorsch aus der Ostsee ziehen als 2016. Die EU-Fischereiminister beschlossen eine Senkung der Dorsch-Fangmenge um 56 Prozent für die westliche Ostsee, in der östlichen Ostsee wird die Menge um 25 Prozent reduziert. Hinzu kommt ein acht-wöchiges Fangverbot in der westlichen Ostsee während der Laichzeit im Februar und März - zwei Wochen mehr als bislang. Auch für Hobbyfischer führt die EU eine neue Obergrenze ein: Da sie mittlerweile ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee holen wie Berufsfischer, dürfen sie in der Laichsaison höchstens drei Fische pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf.

Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einer "schmerzhaften, aber angesichts der Bestandssituation erforderlichen Quotenreduzierung". Die Dorsch-Bestände in der Ostsee seien erschöpft.

Der Umweltorganisation Greenpeace gehen die Brüsseler Verschärfungen nicht weit genug. "Erneut haben sich die Minister bei der Quotenvergabe den Interessen der Fischereiindustrie gebeugt, anstatt den wissenschaftlichen Vorgaben zu folgen", kritisierte Greenpeace-Fischereiexperte Thilo Maack.

Für Verbraucher, die auf den Genuss von Dorsch nicht verzichten wollen, gibt es eine gleichwertige Alternative: den Kabeljau. Dorsch und Kabeljau sind unterschiedliche Namen für den gleichen Fisch. Sie unterscheiden sich lediglich bei der Herkunft. Der Kabeljau wird in der Nordsee gefischt. "Grundsätzlich ist der Kabeljau nicht ganz so stark gefährdet wie der Dorsch", sagt Maack, "Der Atlantische Kabeljau aus Island kann zum Beispiel ohne Bedenken verzehrt werden."

Die Umweltorganisation bietet Verbrauchern Tipps für den Einkauf des richtigen Fischs. Welche Arten sind in welchen Beständen gefährdet? Handelt es sich um einen Wildfang oder um einen Fisch aus einer Aquakultur? Antworten darauf liefert der jährlich erscheinende Einkaufs-Fischratgeber. Vergleicht der Verbraucher die Produktangaben vom Händler oder auf der Verpackung mit dem Fischratgeber, kann er sich schnell vergewissern, ob der Fischbestand bedroht ist.

Generell empfiehlt Maack, beim Kauf von Fisch auf das sogenannte MSC-Siegel zu achten. MSC steht für "Marine Stewardship Council" ("Marine Verwaltungsrat") und kennzeichnet Wildfisch aus bestands- und umweltschonender Fischerei.

Wer ganz ohne schlechtes Gewissen Fisch essen möchte, sollte vom Dorsch auf europäische Karpfen und Bio-Forellen aus einer Aquakultur umsteigen. Andere Alternativen sind Heringe und Sprotten aus Nord- und Ostsee. Bei diesen Beständen konnten sich die Ostsee-Fischer sogar über Zuwachs freuen: Im Westen der Ostsee steigt die Heringsquote um acht Prozent, die Sprottenquote um 29 Prozent.

Quelle: RP
 
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