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Wem gehört die Deutschland AG (Teil 4): Wenn das große Geld einzieht

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 28.07.2005 - 09:30

Düsseldorf (rpo). Wenn das große Geld einzieht Viterra, Gagfah, Eisenbahner-Wohnungen, vielleicht bald die LEG - nie wechselten in Deutschland so viele große Immobilienbestände den Eigentümer wie im vorigen Jahr. Oft sind ausländische Hedge Fonds die Investoren.

Ob Franz Müntefering jemals unangenehme Erfahrungen mit den echten Heuschrecken gemacht hat, ist nicht überliefert. So inbrünstig, wie der SPD-Chef jene in der Finanzwelt an den Pranger gestellt hat, die er für Heuschrecken hält, ist das nicht auszuschließen. Wie Müntefering schimpfte schon so mancher Mieterverein - aus Furcht um die Zukunft seiner Schutzbefohlenen. Die Sorge: Wenn große Finanzinvestoren große Wohnungsbestände übernehmen, dann sind die Rechte der Bewohner in Gefahr.

Dass Mieterbund und Co. sich mehr als einmal zu Wort meldeten, hat seinen Grund. In keiner Branche gingen die Hedge Fonds 2004 so aufwändig auf Einkaufstour wie am deutschen Immobilienmarkt. Die Deutsche Bank hat errechnet, dass im vergangenen Jahr etwa 300000 Wohnungen an ausländische Finanzinvestoren verkauft worden sind - mit dicken Brocken, die Milliarden in die Kassen der Verkäufer spülten: Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte gab ihre Wohnungstochter Gagfah für fast vier Milliarden Euro an den US-Investmentfonds Fortress ab. Der Eon-Ableger Viterra ging für die Rekordsumme von sieben Milliarden Euro an die Terra-Firm-Tochter Deutsche Annington. Morgan Stanley zahlte mehr als zwei Milliarden Euro für den Wohnungsbestand von ThyssenKrupp.

Was wird aus den Mietern?

Drei Beispiele von vielen, alle unter dem Motto: Wohnungen sind nicht unser Kerngeschäft, darum verkaufen wir sie. Als nächstes könnte das Portfolio der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zum Verkauf stehen. Was noch fehlt, ist ein Investor, der möglichst viel Geld dafür in die Landeskasse zahlt und damit den Haushalt entlastet. Der Wülfrather Bauunternehmer Uwe Clees, dessen Angebot die Landesregierung nun doch erreicht hat (RP vom 12.7.), gilt in der Branche nicht als solcher. Wenngleich es im Finanzministerium natürlich heißt: „Wir prüfen jedes ernsthafte Angebot.“

Über den Einzug des großen Geldes in deutsche Wohnungen wundert sich so mancher. Die Rendite hierzulande ist im internationalen Vergleich eher spärlich. So mancher Investor schreckte vor dem deutschen Markt zurück. weil die Gerichtsbarkeit für seinen Geschmack allzu mieterfreundliche Rechtsprechung betrieb. Außerdem altert unsere Bevölkerung zusehends, wodurch die Zahl potenzieller Käufer abnimmt.

Die Fondsmanager indes ticken anders. Erstens sind die Preise im Keller, was entsprechende Chancen auf Wertsteigerung bietet - jedenfalls an zukunftsträchtigen Standorten. Zweitens hoffen die Fonds auf weiter niedrige Zinsen, was Wohnungskäufern ihre Kaufentscheidung erleichtern würde. Und drittens sind die so genannten Real Estate Investment Trusts (REITs) weiterhin in der Pipeline. Hinter der Vokabel verbergen sich Immobilien-Aktiengesellschaften - eine Anlageform, die es im angelsächsischen Ausland längst gibt, und die in Deutschland möglicherweise im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Danach könnten Teile dieser Bestände an der Börse handelbar werden.

Bleibt noch die Frage, was aus den Mietern wird. „Mietsteigerungen müssen nicht zwangsläufig Folge eines Eigentümerwechsels sein“, meint Deutsche-Bank-Fachmann Tobias Just. Dass aufwändige Sanierungen die Mietptreise nach oben treiben, glaubt er auch nicht. Schließlich müsste dann auf der anderen Seite auch jemand stehen, der entsprechendes Geld dafür auf den Tisch legt. Also heißt die Devise: Wertsteigerung peu a peu. Auch das bringt letztlich Rendite. Und nur die zählt.

Quelle: Rheinische Post

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