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Düsseldorf
Weselskys Gegenspielerin bei der Bahn

Düsseldorf. Neben Personalvorstand Ulrich Weber wird in diesem Jahr erstmals Ulrike Haber-Schilling aufseiten der Arbeitgeber die Tarifverhandlungen mit GDL und EVG bestreiten. Angesichts des schlechten Ergebnisses gibt es aber wenig zu verteilen. Von Maximilian Plück

Viele Bahnfahrer dürften mit Sorge auf die im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn blicken. Nur zu gut ist der hitzig geführte Tarifkonflikt des vergangenen Jahres in Erinnerung. Damals hatten die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft mit der Bahn über Monate um höhere Löhne gerungen. Zugleich - und das machte den Konflikt umso schwieriger - ging es auch um den Wunsch der GDL nach mehr Mitspracherechten auch bei anderen Berufsgruppen als den Lokführern. Eine extrem vertrackte Situation, die aber am Ende dank eines Schlichterspruchs von Bodo Ramelow und Matthias Platzeck in einem tragfähigen Kompromiss endete.

Doch nach der Tarifrunde ist bekanntlich vor der Tarifrunde. Und so bringt sich die streitlustige GDL wieder in Stellung. Ihr Bundesvorsitzender Claus Weselsky skizzierte jüngst in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" wohin die Reise gehen könnte: "Wir fordern vier Prozent mehr Lohn." Und damit nicht genug. Entscheidend seien spürbare Verbesserungen bei den Arbeitszeitregelungen der Beschäftigten, sagte Weselsky. Im Klartext forderte der GDL-Chef die Einstellung von zusätzlich 800 Lokführern, bessere Schichtrhythmen und langfristig planbare Ruhezeiten. "Ohne Verbindlichkeit der Arbeitszeiten und einer Anerkennung der Tatsache, dass auch das Zugpersonal im Schichtdienst Anspruch auf ein soziales Umfeld und Freizeit mit der Familie hat, wird es keine Einigung geben können."

Auch wenn die vier Prozent im Vergleich zu den Forderungen in anderen Branchen am unteren Ende liegen, ist Weselskys Ankündigung doch für die Bahn schwer verdauliche Kost. Der Konzern musste für das vergangene Jahr erstmals einen Milliardenverlust hinnehmen und hatte dies unter anderem auf die Ausfälle durch die Streiks zurückgeführt. Auch lassen sich wegen des Wettbewerbsdrucks höhere Löhne nur bedingt durch höhere Ticketpreise zurückholen. Viel zu verteilen gibt es also nicht. Zugleich ist der Kampf um Einfluss bei den Bahnbeschäftigten noch nicht ausgestanden. Die GDL versucht, der aus ihrer Sicht "zahmen EVG" die Mitglieder abspenstig zu machen. Das könnte zu einem Überbietungswettkampf führen.

Da könnte es den Arbeitgebervertretern gut tun, dass auf ihrer Seite des Tisches ein neues Gesicht für frischen Wind sorgt. Ulrike Haber-Schilling, bislang Personalvorstand im Fernverkehr bei der Deutschen Bahn, rückte vor wenigen Tagen auf die Position der Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes der Mobilitäts- und Verkehrsdienstleister (AG Move). Der Organisation gehören 59 Mitgliedsunternehmen an - wobei sie mehrheitlich Töchter der Deutschen Bahn sind.

Für die 45 Jahre alte Betriebswirtin ist das verminte Tarif-Gebiet kein Neuland. Haber-Schilling war 13 Jahre bei dem privaten Verkehrsunternehmen Veolia, fünf Jahre davon als Arbeitsdirektorin. In diese Zeit fällt auch ein Branchentarifvertrag, den sie mit der EVG abschloss und der ihr zumindest im Arbeitnehmerlager nicht nur Sympathien einbrachte. Mit dem dort vereinbarten Mindestlohn zementierte die Schwäbin den Lohnabstand zum hohen Tarifniveau der Deutschen Bahn - für die kleinen Privatbahnen ist der Personalkostenvorteil im Wettbewerb mit dem staatlichen Riesen essenziell.

Nun ist die aus Schwaben stammende und in Berlin lebende Mutter einer 13-jährigen Tochter mit ihrem Engagement beim AG Move in die erste Liga der Tarifverhandlungen aufgerückt. Die Feuertaufe steht ihr unmittelbar bevor.

Quelle: RP
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