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Köln
Wie die Discounter das Mobilfunk-Geschäft anschieben

Köln. Als vor gut zehn Jahren erstmals die Marken Tchibo mobil und Simyo in der deutschen Mobilfunklandschaft auftauchten, wurden sie noch belächelt. Doch mittlerweile haben die Discounter die Branche aufgerollt, sich mit Billig-Angeboten einen festen Platz erobert und für einen Preissturz gesorgt. Für sechs Cent pro Gespräch oder knapp 13 Euro pauschal im Monat in alle Netze telefonieren, SMS verschicken und ein begrenztes Datenvolumen pro Monat herunterladen - das ist keine Seltenheit mehr. "Durch die Mehrmarkenstrategie können wir unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Marktsegmente bedienen", sagt Ralf Opalka von Telefónica O2. Das Unternehmen und sein Neuerwerb E-Plus gehören zu den Pionieren am Discountmarkt. Auch künftig setze Telefónica auf eine Mehrmarkenstrategie, erklärt der Konzern und widerspricht Gerüchten, wonach die Fusion das Ende vieler Marken bedeuten würde.

Tatsächlich sorgt das Discountsegment für Wachstum in einer Branche mit starkem Verdrängungswettbewerb. Das Tarifvergleichsportal teltarif.de hat unlängst die Quartalszahlen der Mobilfunker untersucht und festgestellt, dass das Wachstum bei den Kundenzahlen zu einem großen Teil den Discountmarken zu verdanken sei beziehungsweise den Anbietern, die Kapazitäten der Netzbetreiber unter eigenen Marken an die Kunden weitervertreiben, zum Beispiel Freenet und Drillisch. Freenet ist mit 12,4 Millionen Kunden klar der Größere , wobei der reine Discount-Anteil bei drei Millionen liegt. Drillisch mit rund 2,3 Millionen Kunden profitiert aber stark von der Fusion zwischen Telefónica O2 und E-Plus. So übernahm das Unternehmen vor gut einem Jahr 20 Prozent der Netzkapazitäten von Telefónica, die das Unternehmen im Zuge des Zusammenschlusses abgeben musste. Im Mai dieses Jahres kamen 300 Shops von Telefónica hinzu. Mit der Zusammenschaltung der Netze von Telefónica und E-Plus erhält der Discounter außerdem direkten Zugriff auf die schnelle LTE-Technik.

Auf superschnelle Netze würde Martin Knauer auch gerne zugreifen können, wenn er dürfte. Der Marketing-Experte ist Chef des Kölner Discounters Congstar, der zur Deutschen Telekom gehört und mit 3,5 Millionen Kunden zu den großen Spielern im Billigsegment aufgestiegen ist. Doch die Telekom wie auch Vodafone reservierten die superschnelle mobile Datenautobahn für ihre direkten Kunden, um sich von der Billigkonkurrenz abzugrenzen und höhere Preise zu rechtfertigen, sagt ein Teltarif-Sprecher. Grund dazu haben sie allemal: Der Anteil der Handynutzer, die bei einem Billiganbieter sind, ist weiter kräftig gestiegen. Das knabbert an den Renditen der Großen. Sven Ehrmann, Telekom-Experte des Vergleichs-Portals Verivox, schätzt den Anteil der Nutzer von Billigtarifen auf ein Drittel aller Nutzer.

(dpa)
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