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Video-Portal
Wie Youtube das Fernsehen revolutionierte

Video-Portal: Wie Youtube das Fernsehen revolutionierte
Youtube hat heute mehr als eine Milliarde Nutzer weltweit. FOTO: dpa, skn;cse lof
Düsseldorf. Vor zehn Jahren übernahm Google für 1,48 Milliarden Euro die Videoplattform. Eine Bühne für Filmstars abseits klassischer TV-Formate. Von Lisa Kreuzmann

Es war der bis dahin teuerste Zukauf in der Geschichte von Google. Am 9. Oktober 2006 übernahm der Internetriese das Video-Portal Youtube. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Videos on demand. Kleine Clips auf Abruf, schneller, jünger und irgendwie zeitgemäßer als die vertrauten Fernsehprogramme.

Die neuen Jugend-Idole auf Youtube werben den klassischen TV-Sendern nicht nur das Publikum ab, sondern verdienen teilweise auch mehr Geld als die Fernseh-Stars. Wie viel genau, lässt sich nur schätzen. Tatsache ist: Youtube erhöhte enorm den Druck auf das lineare Fernsehen. Was zunächst als Dating-Portal geplant war, entwickelte sich in wenigen Monaten zum Pionier des Video-Streaming. Zuversichtlich verkündete der einstige Google-Chef Eric Schmidt bei der Übernahme: "Das ist der nächste Schritt in der Evolution des Internets."

Youtube-Stars treten bei den Videodays 2016 auf FOTO: Christoph Schroeter

Heute hat Youtube mehr als eine Milliarde Nutzer weltweit und ist mit der Geschäftsidee, Filmemachern und Selbstdarstellern eine Bühne zu bieten, längst nicht mehr allein. Snapchat, Facebook, Instagram und andere Videoportale holen auf. Eine Welt, in der die Zahl der Anhänger den Geschäftswert bestimmt. Jede Minute laden Youtuber mehr als 400 Stunden neues Material auf die Plattform. "Das ist ein interessanter Markt, auf dem sich noch einiges tut", sagt Michael Frenzel, Sprecher des Netzwerks Mediakraft aus Köln. Auch die Vermarktungsagentur hat Youtube als Geschäftsfeld mit Zukunft entdeckt. Etwa 1500 Künstler und Kanäle stehen bei Mediakraft unter Vertrag. Berufswunsch: Youtube-Star, Selfmade-Millionär, Marke Google. Die Agentur vermittelt Werbeanzeigen, berät und kassiert mit.

Der Mega-Deal vor zehn Jahren wurde in einem Restaurant am Rande des Highways eingefädelt. Alles sollte möglichst unauffällig über die Bühne gehen. Das Ganze habe sich innerhalb von 72 Stunden abgespielt, erinnerte sich Youtube-Mitgründer Steve Chen. Mehrere Interessenten klopften bei dem Start-up an. "Aber Google war die richtige Wahl", sagte Chen rückblickend. Denn das Start-up habe dringend Hilfe bei der Internationalisierung, aber auch in technischen Bereichen gebraucht. Zudem zeichnete sich die mobile Internetnutzung als wichtiger Markt ab.

Wer heute Videos auf Youtube veröffentlicht, verdient damit an den Werbeeinnahmen. Vorausgesetzt, die Fans klicken die Werbung nicht weg. Zwischen ein und zwei Euro verdienen Youtuber mit einem Video, das sich tausend Zuschauer angeschaut haben im Schnitt, heißt es in der Branche. Die Einnahmen variieren natürlich, je nachdem, welche Inhalte die Internetstars auf ihren Kanälen anbieten. Die deutsche Hitliste führt derzeit ein gebürtiger Braunschweiger aus der Sparte Gaming an.

Düsseldorfs Youtuber - Stars von morgen FOTO: Twin.Tv

Erik Range spielt als Gronkh Video- und Computerspiele, kommentiert sie und filmt sich dabei. Seinen Kanal haben aktuell mehr als vier Millionen Menschen abonniert. Allein in den vergangenen 30 Tagen wurden seine Videos mehr als 32 Millionen mal geschaut. Bei einem Euro pro tausend Views, dürfte Gronkh allein mit Werbeeinnahmen also in einem Monat 32.000 Euro umgesetzt haben. Davon gehen etwa 40 Prozent laut Branche an Google. Ein gewisser Prozentsatz an die jeweilige Vermarktungsagentur. Für die Top-Youtuber dürfte nach Abzug der Produktionskosten dennoch ein netter Verdienst übrig bleiben. Dazu kommen Einnahmen durch Produktplatzierungen, öffentliche Auftritte und Fanartikel. Gerade in Bereichen wie Beauty und Fitness, die für Werbekunden attraktiv sind.

Ganz so einfach mit Youtube Millionär zu werden, sei es trotzdem nicht, heißt es bei Mediakraft. "Sie können heute anfangen, auf Youtube Geld zu verdienen. Die Frage ist nur: wie viel." Die Wahrscheinlichkeit für einen Künstler mit Online-Videos reich zu werden, sei in etwa so wahrscheinlich, wie als Fußball-Profi Karriere zu machen, sagt der Marketingberater. "Es ist möglich." Denn auch für das Internet gilt: Das Sehverhalten der Zuschauer bestimmt die Werbeeinnahmen. "Es gibt Inhalte, die allein auf Youtube verdammt schwer zu refinanzieren sind", sagt Frenzel. Wie viel Google mit Youtube verdient, ist ebenfalls unbekannt. Die Marktforschungsfirma eMarketer schätzt, dass 2014 etwa 1,01 Milliarden Euro Umsatz mit Werbung gemacht wurde. Youtube selbst erklärte 2015, dass die Partnerumsätze im Werbebereich im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen seien, "bereits das dritte Jahr in Folge in dieser Höhe".

Fotos: LeFloid – YouTube-Star und Angela-Merkel-Interviewer FOTO: dpa, ped;cse tba

Keine Sendung bleibt ewig, das gelte aber auch im Online-Bereich, sagt Frenzel. Das Comedy-Trio Y-Titty etwa zählte mit mehr als drei Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten Youtubern Deutschlands. Ende 2015 stellten sie die Video-Produktion ein.

Quelle: RP
 
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