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Jena/Oberkochen
Wie Zeiss die Optik aus dem Osten wiederbelebte

Jena/Oberkochen. Ein Blick auf die unternehmerischen Erben des 1816 geborenen Carl Zeiß offenbart eine wechselvolle Firmengeschichte. Von Oliver Burwig

Zwangsdeportierung von Mitarbeitern, die Aufteilung des Betriebs in Ost und West, Verstaatlichung und wirtschaftliche Krisen in den 80er und 90er Jahren: Dass der Name Carl Zeiss heute nicht nur an den vor 200 Jahren geborenen deutschen Optikpionier erinnert, sondern auch eines der international prominentesten deutschen Unternehmen benennt, erscheint fast wie ein Wunder. Rund 200 Ausgründungen und Start-ups zeugen heute vom Know-how der Zeiss-Mitarbeiter, dem Entwicklergeist, der hinter der Marke steht und der Zukunft der optischen Industrie, an der auch die Erben aus dem thüringischen Jena und dem baden-württembergischen Oberkochen teilhaben werden.

"Die Marke ist weltweit präsent", sagt Klaus Schindler, Geschäftsführer der Hightech-Branchenvereinigung Optonet. Dass nicht nur Carl Zeiss, sondern auch Nachfolgeunternehmen wie Jenoptik, Analytik Jena, Göpel Electronic und Vistec Electron Beam in ihren speziellen Aufgabengebieten erfolgreich sind, führt Schindler darauf zurück, dass sie von "Zeissianern" gegründet wurden, die zwar nicht alle dem Unternehmen entstammen, aber doch den "Geist" weiterleben, der den Standort Jena auch heute noch attraktiv mache. Dabei profitierten die Neugründungen von den gleichen handwerklichen und ingenieurstechnischen Fähigkeiten, die die Entwickler bei Zeiss in Objektive, Messgeräte und Software stecken. Was sich in den vergangenen 25 Jahren jedoch geändert hat, ist der unternehmerische Anspruch.

Denn nachdem 1946 die Alliierten den Betrieb in Jena zum Teil nach Oberkochen zwangsverlagerten, folgte eine Spaltung. Das Ost-Unternehmen wurde zum volkseigenen Betrieb und musste sich nach der Wende seine Märkte im Westen zurückerobern. "Das traf Zeiss völlig unvorbereitet", sagt Michael Kaschke, Vorstand der Carl Zeiss AG. Hatte sich Zeiss in Jena ab den 70er Jahren zunehmend der Forschung verschrieben, musste nun ein wirtschaftliches Unternehmen her. Die Umstrukturierung kostete viele Arbeitnehmer ihren Job, brachte Zeiss aber zurück an die Spitze der Optikindustrie. 85 Prozent ihres Umsatzes macht die Firma nun im Ausland, 70 Prozent der Wertschöpfung findet Kaschke zufolge in Deutschland statt. In naher Zukunft wird Zeiss vor ganz anderen Aufgaben stehen, in denen sich das Unternehmen erneut beweisen muss: Konkurrenz aus Fernost, effizientere Produktion und die schwieriger werdende Suche nach technisch interessiertem Nachwuchs.

Quelle: RP
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