Schröder als Aufsichtsrat umstritten: Will Gasprom deutschen Kredit doch noch?
zuletzt aktualisiert: 09.04.2006 - 14:38Berlin (rpo). Zwar hat der russische Gasriese den von der Bundesregierung abgesicherten Kredit noch nicht in Anspruch genommen. Das heißt aber noch lange nicht, dass man auch schon darauf verzichtet hätte. Entsprechende Absagen hat es bislang offenbar noch keine gegeben.
Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete, weder bei der Deutschen Bank noch bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) seien bis Freitagabend Absagen aus Moskau eingetroffen. Das Blatt zitierte Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck mit dem Satz: "Uns gegenüber hat Gasprom bislang nicht erklärt, dass sie kein Interesse mehr an dem Kredit haben."
Heydebreck habe zudem der Darstellung von Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach widersprochen, beide Banken hätten die Bundesregierung im Oktober zur Eile gedrängt, schnell eine Bürgschaft für den Milliardenkredit zu beschließen. Heydebreck: "Wir haben ganz sicher keinen Druck gemacht."
Die rot-grüne Bundesregierung hatte nach ihrer Abwahl in den letzten Tagen ihrer Amtszeit zu Gunsten von Gasprom eine Bundesbürgschaft in Höhe von 900 Millionen Euro zugesagt. Damit sollte ein Kredit abgesichert werden, den die Deutsche Bank und die KfW-Bankengruppe für die Kosten der Ostsee-Pipeline angeboten haben.
Mehrheit gegen Schröder als Aufsichtsrat
Altkanzler Gerhard Schröder hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis von der Bürgschaftsentscheidung. Zudem habe er erfahren, dass Gasprom einen Kredit gar nicht wolle. Schröder ist inzwischen Aufsichtsratschef des von Gasprom geführten russisch-deutschen Pipelinekonsortiums.
Eine Mehrheit der Bundesbürger von 52 Prozent lehnt nach einem Bericht des Münchner Magazins "Focus" die Entscheidung Schröders ab, den Aufsichtsratsposten zu übernehmen. 38 Prozent hätten sich mit Schröders Schritt einverstanden erklärt.
Nach der von polis/USUMA vorgenommenen repräsentativen Umfrage waren die unter 35-Jährigen mit Schröders Entscheidung am ehesten zufrieden: 45 Prozent hätten zugestimmt. Bei den über 55-Jährigen hätten dagegen 59 Prozent die Wahl des Altkanzlers abgelehnt.
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