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Düsseldorf
Winterkorn einsam an der Gehaltsspitze

Düsseldorf. Der VW-Manager hat 2014 rund 15 Millionen Euro kassiert - fast doppelt so viel wie die Nummer zwei der Dax-Chefs. Von Georg Winters

Seit fünf Jahren gibt es bei den Mitgliedsunternehmen im Deutschen Aktien-Index keinen besser bezahlten Vorstandsvorsitzenden als Martin Winterkorn. Rund 70 Millionen Euro hat der VW-Chef zwischen 2010 und 2014 kassiert, und die Kluft zwischen ihm und jenen, die in der Gehalts-Hitparade der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf den nächsten Plätzen liegen, wird größer. 2013 hat Winterkorn noch gut 66 Prozent mehr verdient als die Nummer zwei in der Rangliste, ein Jahr später sind es bereits 90 Prozent mehr. Einsamer denn je thront Winterkorn an der Gehaltsspitze.

Spätestens an der Stelle geht häufig die Diskussion darüber los, wie angemessen eine Managervergütung ist. Doch die Debatte scheint in diesem Jahr auszufallen. Stattdessen stoßen sich die Aktionärsschützer mehr daran, dass die Gehaltsunterschiede zwischen den Topvedienern und den Normalsterblichen in den Konzernen noch ein Stückchen größer geworden sind. Dax-Vorstände verdienen 54 Mal so viel wie ein durchschnittlicher Angestellter (auch das ist natürlich ein Durchschnittswert). Im vergangenen Jahr waren es "nur" 53 Mal so viel.

Selbst die Tatsache, dass die Bezüge der Manager im Durchschnitt nur um 1,5 Prozent stiegen, die Bruttobezüge der Angestellten dagegen um 3,8 Prozent, hat nicht verhindern können, dass die Schere weiter auseinandergegangen ist. Denn die Gehaltssteigerung bei den Durchschnittsverdienern bezieht sich laut DSW auf ganz Deutschland und fällt offenbar bei den Dax-Unternehmen deutlich geringer aus als beim Rest der Republik.

Insgesamt überwiesen die Unternehmen ihren Vorständen im Schnitt 3,4 Millionen Euro. Immerhin, so konstatieren die Fachleute, fällt das Plus bei den Managern damit kleiner aus in manchen Vorjahren. "Möglicherweise hat die gesellschaftliche Debatte um die Bezahlung von Top-Managern zu dieser moderaten Entwicklung beigetragen", sagte der Wissenschaftler Gunther Friedl von der TU München, die mit der DSW den Gehaltsreport herausgegeben hat. Diese Debatte hat auch dazu geführt, dass die EU nach der Finanzkrise versucht hat, den europäischen Konzernen strengere Regeln für die Managervergütung aufzuerlegen.

Das Auseinanderklaffen der Bezüge von Top -und Durchschnittsverdienern in einem Konzern ist nur ein Kritikpunkt der Studienautoren. Ein anderer ist die Tatsache, dass bei den großen, börsennotierten Unternehmen die fixen Gehaltsbestandteile der Manager stärker gestiegen sind als die variablen. Diesen Trend hat die DSW bereits 2014 festgestellt und erklärt, dies sei bedenklich, weil die Vorstandsgehälter dadurch auch dann auf hohem Niveau blieben, wenn die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens eine solche Bezahlung nicht rechtfertige. Im vergangenen Jahr sind die Fixbezüge um fast fünf Prozent gestiegen. Aber: Der Zuwachs ist kleiner ausgefallen als die Gewinnsteigerungen (im Schnitt verdienten die Dax-Konzerne zuletzt 6,8 Prozent mehr als im Vorjahr), und er ist auch nur so hoch, weil die Deutsche Bank die festen Gehaltsbestandteile um sage und schreibe 80 Prozent angehoben hat. Rechnet man die Bank heraus, bleibt nur noch ein Plus von 0,7 Prozent.

Der am schlechtesten bezahlte Dax-Vorstandschef ist übrigens Reinhard Ploss. Der Spitzenmanager des Chipkonzerns Infineon kassierte knapp 2,1 Millionen Euro. Das sind nur etwa zwei Fünftel dessen, was die Vorstandschefs der 30 Konzerne im Schnitt erhielten. Unter den großen Unternehmen in NRW folgen auf Kasper Rorsted (Henkel), Peter Terium (RWE) und Frank Appel (Deutsche Post, alle in der Grafik oben erwähnt) Heinrich Hiesinger (Thyssen Krupp/5,44 Millionen), Marijn Dekkers (Bayer/4,88), Johannes Teyssen (Eon/4,35), Tim Höttges (Deutsche Telekom/3,97) und Matthias Zachert (Lanxess/3,44).

Quelle: RP
 
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