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Düsseldorf
Wir sind dann mal streiken

Düsseldorf. Die Flugbegleiter starten heute den größten Arbeitskampf in der Geschichte der Lufthansa. Kunden benötigen für mehr als eine Woche einen langen Atem. Von Maximilian Plück

Mit einer dreiköpfigen Delegation erschienen die Vertreter der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) gestern um 14 Uhr zu einem allerletzten Gespräch mit der Lufthansa. Hoffnung, dass der Konzern sein Angebot zur Übergangsversorgung und den Betriebsrenten noch einmal nachbessern und so den größten Streik der Lufthansa-Geschichte noch abwenden würde, hatten Ufo-Chef Nicoley Baublies und seine beiden Kollegen allerdings wenig.

Ihre Befürchtungen bestätigten sich schnell. Anstatt noch einmal nachzubessern, boten die neun Vertreter von Deutschlands größter Fluggesellschaft lediglich Erläuterungen zu ihrem Vorschlag vom Vorabend an. Den hatte die Ufo bereits am Morgen als unzureichend abgelehnt. Zudem drohte die Lufthansa den Gewerkschaftern bei dem Treffen, sollte es tatsächlich zu einem Streik kommen, werde es keine Neueinstellungen mehr bei der Lufthansa Passage geben. Nach gut zehn Minuten war deshalb für die Ufo-Delegation klar: Der einwöchige Streik des Kabinenpersonals kommt.

Für die Passagiere beginnen nun bange Tage. Die Gewerkschaft ließ gestern noch offen, wo genau sie mit den Arbeitskämpfen beginnt. Bis zwölf Uhr werde man auf Streiks verzichten, sagte Baublies. "Wie es danach weitergeht, werden wir rechtzeitig am Vormittag ankündigen."

Schon jetzt ist allerdings klar, dass vor allem die großen Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München betroffen sein werden. Innerdeutsche und europäische Flüge werden inzwischen vor allem von der Lufthansa-Billigtochter Germanwings angeboten. Und die Ufo hat bereits im Vorfeld klargestellt, dass sich die Arbeitskämpfe nur auf Lufthansa Passage beziehen. Auch Eurowings, Swiss und Austrian Airlines bleiben deshalb verschont.

Von Düsseldorf aus werden gerade einmal drei Ziele mit echten Lufthansa-Flügen bedient: siebenmal pro Woche New York, 35-mal Frankfurt und 77-mal München. Entsprechend gelassen zeigte sich ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf. Man müsse sich nicht groß vorbereiten - zumal es ja auch Erfahrungen mit den zurückliegenden Arbeitskämpfen der Piloten gebe. "Es hat sich ja eingebürgert, dass aus Rücksicht auf die Kunden die Streiks rechtzeitig angekündigt werden. Die Lufthansa konnte bislang mit Notflugplänen reagieren", so der Sprecher des Flughafens Düsseldorf. Allerdings sagte Ufo-Chef Baublies unserer Redaktion: "Je mehr Fisimatenten die Lufthansa macht, desto heftiger fallen die Streiks aus." Im Klartext: Wenn sich die Lufthansa nicht auf die Ufo zubewegt, könnten im Laufe des siebentägigen Streiks auch die Ankündigungen entfallen.

Kunden sollten sich heute rechtzeitig vor Anfahrt zum Flughafen über lufthansa.com oder die Hotline 069 86799799 informieren, ob ihre Maschine fliegt. Passagiere, die von einer Annulierung betroffen sind, können den Flug unabhängig vom Tarif kostenfrei auf ein anderes Datum umbuchen oder stornieren. Auch Kunden mit einem Ticket von Swiss, Austrian oder Brussels Airlines können Flüge in der Streikwoche von oder nach Frankfurt, München oder Düsseldorf einmalig kostenlos umbuchen. Allerdings gilt dies nur für Tickets, die vor dem heutigen Datum ausgestellt wurden. Zudem muss das neue Reisedatum vor dem 1. März 2016 liegen.

Die Tarifverhandlungen zwischen Ufo und der Lufthansa ziehen sich seit zwei Jahren hin. Die Arbeitnehmerorganisation kämpft in erster Linie gegen geplante Einschnitte bei der Rente und der sogenannten Übergangsversorgung. Diese betriebsinterne Frührente wird gezahlt, damit Stewards und Stewardessen wegen der körperlichen Belastungen in dem Job schon vor dem offiziellen Rentenbeginn mit 65 Jahren in Ruhestand gehen können. Im Schnitt scheiden die Flugbegleiter derzeit mit 56 Jahren aus.

Quelle: RP
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