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Nicht schädlich, sondern nützlich: Wirtschaft: Euro nicht schuld an Wachsstumsschwäche

zuletzt aktualisiert: 02.06.2005 - 08:30

Berlin (rpo). Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben davor gewarnt, den Euro zum "Sündenbock" für die deutsche Wachsstumsschwäche zu machen. Im Gegenteil: Der Euro nutze der deutschen Wirtschaft. Den Grund für die wirtschaftlichen Probleme vieler Euro-Länder sehen die Verbände anderswo: Schuld seien die Regierungen, die Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite nicht den Griff bekämen.

"Es ist geradezu abenteuerlich, den Euro als Sündenbock für die deutsche Wachstumskrise zu stempeln", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, der "Berliner Zeitung". Der Euro habe "die Unsicherheit von Wechselkursschwankungen im Euroraum beseitigt und es somit vielen Mittelständlern erst ermöglicht, auf außerdeutschen Märkten aktiv zu werden", sagte Braun.

Zudem würden die geringen Preissteigerungen in Deutschland Güter auf den europäischen Märkten attraktiv machen. Deutschland partizipiere deshalb am europäischen Exportwachstum der letzten Jahre "weit überdurchschnittlich".

Warnung vor Hysterie

Der Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel, Anton Börner, erklärte: "Die Euro-Zone kränkelt nicht wegen des Euro-Kurses, sondern weil die Länder ihre Strukturprobleme nicht in den Griff bekommen - also vor allem Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit." Die Hauptkranken seien Deutschland, Italien und Frankreich.

Auch der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar hat vor dem Hintergrund der Kursverluste des Euro und der Diskussion um ein Scheitern der Währungsunion vor Hysterie gewarnt. Er halte den Euro "alles in allem für eine Erfolgsgeschichte", sagte der Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) am Donnerstag im Deutschlandfunk. Die Ziele der Geldpolitik, wenig Inflation und eine harte Währung zu schaffen, seien erfüllt. Währungsschwankungen seien normal und auch zu D-Mark-Zeiten aufgetreten. "Das gehört zu einer offenen Wirtschaft", sagte Straubhaar.

Den Einfluss der politischen Krise in der EU nach der Ablehnung des Verfassungsentwurfs durch die Franzosen und Niederländer wollte Straubhaar nicht überbewertet wissen. Dadurch könne allenfalls ein Prozess verstärkt werden. Die Abschwächung des Euro gegenüber dem Dollar habe sich schon zu Jahresbeginn abgezeichnet. Zugleich warnte er vor falschen Erwartungen an die Geldpolitik. "Geldpolitik ist da, um Konjunktur zu steuern, aber nicht, um Wachstum auszulösen", sagte der HWWA-Chef.

Einen Ausstieg oder eine Auflösung der Währungsunion "kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das halte ich salopp gesagt für Quatsch", sagte der Chefvolkswirt der Düsseldorfer WestLB, Ulrich Hombrecher, im Sender DW-TV. "Dann würde Europa auch wirtschaftlich total im Chaos versinken".

Euro macht Boden gut

An den Devisenmärkten konnte der Euro am Donnerstag wieder etwas an Boden gut machen. Nachdem die Gemeinschaftswährung am frühen Morgen zunächst unter die Marke von 1,22 Dollar gesackt war, erholte sich der Kurs und stieg auf bis 1,2294 Dollar. Er lag damit klar über dem Referenzkurs des Vortages von 1,2228 Dollar. Im Dezember notierte die Gemeinschaftswährung noch auf dem Allzeithoch von 1,3667 Dollar.

Ein Kursrutsch des Euro am Mittwoch hatte sich auf Spekulationen über ein Ende der Europäischen Währungsunion (EWU) gegründet.

Quelle: afp

 
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