| 09.47 Uhr

Wirtschaft Im Wandel: Die Preisträger (7/20)
Control Expert digitalisiert Unfallschäden bei Autos

Wirtschaft Im Wandel: Die Preisträger (7/20): Control Expert digitalisiert Unfallschäden bei Autos
Die Schadensabwicklung wurde durch Control Expert beschleunigt. FOTO: dpa
Langenfeld. Die Abwicklung wurde automatisiert - davon profitieren auch die Versicherten. Von Florian Rinke

Die Geschichte von Control Expert handelt von Unfällen. Von sehr vielen Unfällen. Und von der Frage: Was ist nötig, damit die Versicherung für die Schäden aufkommt? Jahrelang gab es für Gerhard Witte darauf nur eine Antwort: viel Arbeit. Der studierte Ingenieur arbeitete als Kfz-Sachverständiger. Seine Aufgabe war es, die Schäden an Autos festzustellen. Also kontrollierte und fotografierte er, berechnete und prüfte, immer und immer wieder - genau wie überall im Land zahlreiche andere Sachverständige. "Irgendwann habe ich mir überlegt, dass es möglich sein muss, die Überprüfung der Schadenhöhe zu vereinfachen", sagt Witte.

So begann 2002 die Geschichte des Langenfelder Unternehmens Control Expert, die auch die Jury des Wettbewerbs "NRW - Wirtschaft im Wandel" überzeugt hat. Sie zeichnete das Unternehmen als einen von insgesamt 20 Preisträgern aus.

Dass es dazu einmal kommen würde, war 2002 noch nicht abzusehen. Damals traf sich Gerhard Witte mit vier Mitarbeitern in seiner Garage, um die Geschäftsidee voranzubringen. Hier sollte die Software entstehen, mit deren Hilfe sich die Prüfung von Unfallschäden vereinheitlichen und automatisieren ließ. Eine Plattform, die viele manuelle Schritte überflüssig macht. Plötzlich konnten Witte und seine Kollegen mehr Prüfungen pro Tag abarbeiten. "Als wir diese Plattform Versicherungen vorgestellt haben, waren sie begeistert", erinnert sich der Unternehmer. Die Versicherungen wollten wissen, ob er das System auch bundesweit anbieten könne. Er konnte.

Heute zählen praktisch alle großen Versicherungen zu den Kunden und Partnern von Control Expert - von A wie Allianz bis Z wie Zurich. Aus Wittes Garagen-Projekt mit vier Mitarbeitern wurden 300, die inzwischen in einem rund sechs Millionen Euro teuren Neubau an der Langenfelder Marie-Curie-Straße arbeiten - nur wenige hundert Meter vom alten Firmensitz entfernt.

Am Standort Langenfeld wollte Witte trotz der Expansion festhalten. Er sei optimal für ein Unternehmen wie dieses: Drei Autobahnen, zwei große Flughäfen und eine S-Bahnstation sorgen für eine optimale Anbindung. Und durch die Nähe zu Köln ist man immer in Reichweite einer Vielzahl von Kunden - immerhin sind in der Domstadt zahlreiche Versicherungen vertreten.

Control Expert hat die Schadensabwicklung digitalisiert. Inzwischen können Daten zwischen Werkstätten und Versicherungen automatisch ausgetauscht werden. Wittes Mitarbeiter helfen bei der Überprüfung. "Wir beschäftigen aktuell 150 Kfz-Meister. Sie schauen sich die Schadenakte an und prüfen, ob die Schadenbilder plausibel zur Rechnung sind und die angegebenen Ersatzteile zu den Schäden passen", sagt der Langenfelder. Dadurch sei der Abwicklungsprozess deutlich beschleunigt worden. Heute bearbeiten mehr als 400 Control Expert-Experten mehr als fünf Millionen Vorgänge in zehn Ländern.

Längst ist das Unternehmen auch in China und den USA vertreten, die Expansion soll in den kommenden Jahren vorangetrieben werden. "Was wir machen, ist zu 80 Prozent in jedem Land identisch", sagt Witte. Das erleichtere die Expansion. Letztlich, ist Witte überzeugt, sei Control Expert auch für die Versicherten von Vorteil: "Es ist auch in ihrem Interesse, dass nicht zu viel abgerechnet wird, weil dies ja auch Auswirkungen auf die Höhe der Prämien hat."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wirtschaft Im Wandel: Die Preisträger (7/20): Control Expert digitalisiert Unfallschäden bei Autos


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.