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Wirtschaft im Wandel
Die Logistiker für Amazon

Wirtschaft im Wandel : Die Logistiker für Amazon
Vanderlande-Systeme laufen in Flughäfen, Paketstationen, im Lager von Amazon und (Bild) im Logistikzentrum von Zalando. FOTO: Vanderlande
Mönchengladbach. Vanderlande hat fast jeden Flughafen der Welt mit Intralogistik ausgestattet und hochautomatisierte Lager für Amazon und Zalando in Deutschland geplant und realisiert. Die niederländische Firma ist auch in Mönchengladbach ansässig. Von Oliver Burwig

"Man kann nicht überall der Beste sein", sagt Matthias Kramm, Geschäftsführer bei Vanderlande Industries in Mönchengladbach. Dass sich aber der Konzern, zu dem seine Firma gehört, an die Weltmarktspitze katapultiert hat, ist das Ergebnis genau dieser Bestrebung. Die Spezialisierung des niederländischen Allzweck-Unternehmens auf die Planung und Realisierung automatischer Lager und die Installation von Robotern, die Paletten bestücken können, sorgt bei Vanderlande für ein jährliches Umsatzwachstum von bis zu zwölf Prozent. Der Flaschenhals des boomenden Unternehmens ist der Fachkräftemangel. Der lässt aber auch den Wunsch nach automatischen Lagern wachsen - und damit die Zahl potenzieller Aufträge für Vanderlande.

"Die demografische Entwicklung kommt uns entgegen", sagt Kramm. Sein Unternehmen, das von der Innenausstattung hochautomatisierter Lager und Logistikzentren lebt, habe zwar Probleme, Elektrotechnik- und Maschinenbau-Ingenieure zu finden. Der Mangel an jungen Logistik-Fachkräften führe aber auch dazu, dass Online-Händler wie Amazon und Zalando ihre Lager von vornherein so personalsparend wie möglich haben wollten. Und an dieser Stelle kam schon im Jahr 2000 Vanderlande ins Spiel, das die Europa-Logistikzentren der beiden Online-Riesen in Mönchengladbach und Rheinberg austattete. "Damals war Amazon noch so klein und unbekannt, dass wir uns eine Bürgschaft für den Auftrag geben ließen", erzählt Kramm. Aus dem kleinen Online-Buchhändler wurde der größte Ebay-Konkurrent, und Vanderlande profitierte. Heute gewinnt es fast jeden Auftrag in der Branche.

In der Technik hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert, sagt Kramm. Nutzten Logistiker früher tonnenschwere, gabelstaplerartige "Regalbediengeräte", die Pakete und Paletten aus turmhohen Regalreihen hievten, verkauft Vanderlande heute vor allem 20 bis 30 Kilogramm schweren "Ameisen", wie Kramm die orangefarbenen Shuttles des Systems "Adapto" nennt. Die fahren horizontal und vertikal an den Regalseiten entlang, ziehen sich einzelne Pakete heraus und liefern sie rasant da ab, wo sie hin sollen. Dort könnte ein Roboter-Arm sie in Empfang nehmen und auf einer Palette zu einer logistikfreundlichen Quaderform puzzeln.

Etwa die Hälfte seiner Geräte baut Vanderlande selbst, die andere bezieht das Unternehmen über Zulieferer. Eine 200-köpfige Entwicklungsabteilung in den Niederlanden liefert Ideen, die an Standorten auf der ganzen Welt 4000 Techniker und Ingenieure umsetzen. Seit Kramm 2007 zum Unternehmen nach Gladbach kam, hat sich die dortige Mitarbeiterzahl auf 290 verdoppelt. Für den 48-Jährigen ist das noch zu wenig: "Wir bauen gerade für zusätzliche 150 Arbeitsplätze an."

Zu den Kunden, die dem Konzern zuletzt 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz bescherten (Mönchengladbach: 200 Millionen), gehören neben Paketdiensten wie DHL, DPD und UPS auch Discounter und Flughäfen. 600 Gepäckabfertigungen, darunter Frankfurt, London-Heathrow, Kairo und Chengdu wurden von Vanderlandes Ingenieuren geplant und seinen Technikern umgesetzt. Internationaler Marktführer ist das Unternehmen bei der Flughafen-Gepäckförderung ebenso wie der Installation, Wartung und Bedienung IT-gesteuerter Sortiersysteme für Pakete. In der Lagerautomatisierung hat Vanderlande ebenfalls Großes vor: In acht bis zehn Jahren sei das Unternehmen Kramm zufolge Weltmarktführer.

"Wenn wir etwas Neues beginnen, wollen wir mindestens unter die Top zwei kommen", formuliert Kramm die Unternehmensmaxime. Ein neues Standbein braucht Vanderlande in absehbarer Zeit nicht, das Auftragsvolumen für 2016 sei vollständig gedeckt, für 2017 bereits zu 90 Prozent. Und solange der Online-Handel wächst, sei ein Ende des Lagerbau-Booms im für die europäische Logistik günstig gelegenen NRW auch nicht in Sicht.

Quelle: RP
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