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Wirtschaft im Wandel
Diese Metzger können auch Currywurst

Wirtschaft im Wandel : Diese Metzger können auch Currywurst
Daniel (l.) und Lothar Quartier bieten neben klassischen Metzgerprodukten in sieben Curry-Q-Filialen in Kleve und Umgebung auch Currywurst an. Zur Werbung nutzen sie Facebook und ein eigenes Musikfestival. FOTO: Evers
Kleve. Die traditionsreiche Metzgerei Quartier hat aus dem Wandel der Metzgereien zu Imbisslokalen eine Tugend gemacht und eine eigene kleine Currywurstbuden-Kette gegründet. Zusätzlich wirbt sie mit einem Grillfestival für ihre neuen Produkte. Von Oliver Burwig

Den 58-jährigen Lothar Quartier und seine Metzgerei kennt im niederrheinischen Kleve fast jeder. Schon sein Urgroßvater war Fleischer, in den 40er Jahren zog er von Hof zu Hof und schlachtete Tiere. Die erste Metzgerei kam 1969, und lange Zeit musste die Familie Quartier eigentlich wenig tun, um sich unternehmerisch zu behaupten. Doch der Markt ist im Umbruch, veränderte Einkaufs-, Ess- und Lebensgewohnheiten der Menschen zwingen Traditionsmetzgereien dazu, sich durch Mittagsangebote ein Standbein in der Gastronomie zuzulegen. Für die Klever Metzgerei ist das der Verkauf von Currywurst, Pommes und Schnitzel. Die Idee dazu nennt Lotahr Quartier eine "Eingebung", und sie ereilte ihn beim Besuch eines Wochenmarktes im bayerischen Kulmbach.

"Da gab es einen Metzger, der nebenbei auch Würstchen grillte", erzählt Quartier. "Ich dachte mir: Der macht das Geschäft seines Lebens!" Die Entscheidung, mehr aus seiner Metzgerei zu machen, hatte jedoch noch andere Gründe, die mit seinem heute 30-jährigen Sohn Daniel zu tun hatten. 2002 sprachen die beiden über die Nachfolge und stellten sich die Frage, ob der Betrieb so in Zukunft noch funktionieren würde. Die in die Metzgereien integrieten "heißen Theken" waren bereits auf dem Vormarsch, doch die Quartiers wollten einen eigenen Weg gehen. "Was isst jeder Mensch gern?", fragten sie sich, und landeten bei der zeitlosen Currywurst. Lothar Quartier beauftragte einen sogenannten "Wursttechniker" mit der Kreation zweier Würste und verschiedener Currysoßen mit unterschiedlichen Schärfegraden, Konsistenzen und Würzungen. Die Auswahl sollen dann seine Mitarbeiter, Nachbarn und Freunde im Selbsttest getroffen haben.

"Für den Sprung in die Gastronomie brauchten wir aber noch gute Leute", sagt Daniel Quartier. Denn die Wurst sollte nicht einfach an der Mittagstheke der Metzgerei verkauft werden, sondern in eigenen Imbisslokalen, die das Initial der Familie und ihres neuen Produkts im Namen tragen: Curry-Q. Um Gastro-Fachkräfte davon zu überzeugen, "für eine Metzgerei" zu arbeiten, habe den Quartiers ihr Marketingkonzept geholfen, das unter anderem einen modernen Facebook-Auftritt und freies W-Lan in den Curry-Q-Filialen umfasst. Dort gibt es neben Currywurst im Glas auch ein tägliches Frühstücksbüffet und Deftiges aus der gutbürgerlichen Küche, die Quartier mit selbst hergestelltem Fleisch aus der Region beliefert. "Die Tiere haben nur einen kurzen Transportweg", betont Lothar Quartier. Einer seiner Betriebe in Kranenburg schlachte ausschließlich Großvieh eines drei Kilometer entfernten Hofs, der zweite in Viersen ist für Geflügel zuständig.

Für ihr Unternehmen, die Curry-Q-Filialen und besondere Produktkreationen werben die Quartiers jährlich mit "Angrillen made in Kleve". Das ist ein zweitägiges Musikfestival, bei dem Besucher für einen Eintrittspreis von 24 Euro auch Grillspezialitäten bekommen. Lothar und Daniel Quartier tun viel, um der Traditionsmetzgerei ein junges Image zu verpassen. Denn ihnen ist klar, dass ihr Gewerbe es in Zukunft nicht einfacher haben wird. Von mehr als 30 Metzgereien in den 80er Jahren seien heute in Kleve nur noch zwei übrig. Auch der Trend zum Flexitarismus, dem weitgehenden Verzicht auf Fleisch, mache der Branche zu schaffen. "Ich hoffe, dass die Leute wieder zu einer vernünftigen Ernährung zurückfinden. Und zu der gehört für mich Fleisch", sagt Lothar Quartier.

Sorgen müssen sich die Quartiers nicht machen: Seit der Eröffnung des ersten Curry-Q in Kleve stieg der Umsatz von drei Millionen Euro auf rund fünf Millionen. Fast die Hälfte davon spielen die Currywurst-Filialen ein. Der Traum der Quartiers ist es, aus der Curry-Sparte ihres Familienunternehmens eines Tages eine große Franchise-Kette zu machen. Dass ihre Idee "Made in Kleve" mit anderen Ketten mithalten kann, davon sind die Quartiers überzeugt.

Quelle: RP
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