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Wiesbaden
Wirtschaft wächst deutlich - die Preise sinken

Wiesbaden. Das Plus von 0,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt überrascht die Ökonomen. Sie warnen vor zu viel Euphorie.

Die deutsche Wirtschaft hat trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur einen sehr guten Start ins neue Jahr geschafft. Angetrieben von der Konsumfreude der Verbraucher und begünstigt vom milden Winter stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Es war das stärkste Wachstum seit zwei Jahren und mehr als von Ökonomen erwartet. Im vierten Quartal 2015 war das BIP um 0,3 Prozent gewachsen.

Wachstumsmotor waren zum Jahresanfang nach vorläufigen Berechnungen der Behörde der Privatkonsum und die staatlichen Ausgaben unter anderem für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge. Die Bauwirtschaft profitierte kräftig vom milden Winter. Der Außenhandel dämpfte hingegen das Wachstum, weil die Importe stärker stiegen als die Exporte.

Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch belohnt wird und die gesunkenen Energiepreise die Haushalte zusätzlich entlasten. Löhne und Renten steigen, die Inflation ist im Keller. Im April sanken die Verbraucherpreise erstmals seit Januar 2015 sogar wieder. Die Inflationsrate lag um 0,1 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Billiger wurden binnen Jahresfrist vor allem Energie sowie Pauschalreisen. Im Vergleich zum März sank die Teuerungsrate um 0,4 Prozent. Im März hatten teurere Nahrungsmittel und höhere Preise für Pauschalreisen die Inflation noch leicht anziehen lassen. Eine negative Rate hatte es zuletzt im Januar 2015 gegeben (minus 0,3 Prozent). Beflügelt wird die Kauflaune der Verbraucher von der günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Im April sank die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand in diesem Monat seit 25 Jahren.

Auch im Vorjahresvergleich wuchs die deutsche Wirtschaft: Das preisbereinigte BIP stieg um 1,3 Prozent, kalenderbereinigt um 1,6 Prozent, da ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand als ein Jahr zuvor. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte allerdings vor zu großer Euphorie. Die Bauproduktion sei wegen des ungewöhnlich milden Winters um 3,4 Prozent gestiegen. "Dies dürfte das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal um rund 0,3 Prozentpunkte überzeichnet haben", so Krämer. Er erwartet, dass die deutsche Wirtschaft ihr hohes Tempo im zweiten Quartal nicht halten kann. Dagegen spreche unter anderem die schwache Nachfrage aus Schwellenländern und der nachlassende Schub der Euro-Abwertung des Jahres 2014, argumentierte Krämer. China als Abnehmerland für Produkte "Made in Germany" schwächelt, Russland und Brasilien stecken in der Krise. Zudem würde ein starker Euro deutsche Produkte auf dem Weltmarkt verteuern, was die Nachfrage dämpfen würde. Der Euro fiel gestern allerdings bei 1,1347 Dollar auf den tiefsten Stand seit Ende April.

(dpa)
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