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Kolumne: Der Ökonom
Das Elend der deutschen Auto-Industrie

Kolumne: Der Ökonom: Das Elend der deutschen Auto-Industrie
Unser Autor Martin Kessler. FOTO: RP
Die Auto-Industrie ist bis heute das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Doch die künftige Wertschöpfung geht an Wolfsburg, München und Stuttgart vorbei.

Die Wirtschaftsgeschichte der deutschen Nachkriegszeit ist ohne die Auto-Industrie undenkbar. Der VW-Käfer symbolisierte Wohlstand für alle, der Golf Beständigkeit, BMW und Audi überlegene Technik, Mercedes Vollendung. Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland ist wie eh und je von der Auto-Industrie abhängig. Ganze Regionen wie Schwaben oder Niedersachsen leben von der Kfz-Fertigung. Die Branche ist auch der Innovationstreiber par excellence.

Das alles ist gefährdet - zum großen Teil durch die Industrie, ihre Geldgeber und die Politik selbst. Die Autobauer verließen sich darauf, dass der Verbrennungsmotor eine Erfindung für alle Ewigkeit sei. Die Politik sanktionierte alles, was dem Auto-Standort nutzte, Umweltverschmutzung und selbst Betrug inklusive. Und die Geldgeber finanzierten, ohne zu zucken, alle milliardenschweren Modellwechsel und jeden Traum vom Riesenkonzern, egal ob von Daimler, VW oder BMW.

Derweil verschob sich einiges in der Wertschöpfungskette. Mit Tesla und dem japanischen Hybrid-Motor ist zum ersten Mal eine Alternative zum herkömmlichen Antrieb gelungen. Elektronik und Software übernehmen weite Teile im Auto. Das selbstfahrende Fahrzeug ist die Domäne Googles und nicht des Daimler- oder VW-Konzerns. Die Deutschen drohen zu gewöhnlichen Zulieferern der Ideen-Schmieden des Silicon Valley herabzusinken. Siemens-Chef Joe Kaeser hat unrecht, wenn er Google zum Diener machen will. Welcher Fehler!

Im Wettbewerb der Nationen, den der US-Ökonom Michael Porter so präzise beschrieben hat, verliert das Land, dessen Produkte an Werthaltigkeit einbüßen. Genau das geschieht in der deutschen Auto-Industrie. Der Skandal um die Diesel-Fahrzeuge, ein weiterer Irrweg der Branche, legt die Schwäche offen.

Noch hat die deutsche Ingenieurskunst eine Chance. Sie muss den Kampf um die wertschöpfungsintensiven Teile annehmen, besonders, was die Umsetzung der Ideen aus den USA betrifft. Und die Firmen müssen einsehen: Das Internet verändert jedes Geschäftsmodell.

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