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Kolumne: Der Ökonom
Der Populismus ist ein Kind der Finanzkrise

Der Populismus ist ein Kind der Finanzkrise
Unser Autor Martin Kessler. FOTO: Kessler
Düsseldorf. Es sind nicht in erster Linie die Armen und Arbeitslosen, die anfällig für populistische Strömungen sind. Es ist auch die Mittelschicht, die Angst vor dem finanziellen Abstieg hat.

Der unglaubliche Wahlerfolg von Donald Trump treibt auch die politische Elite in Europa um. Warum wählen ausgerechnet die Bürger des wirtschaftsstärksten und einflussreichsten Landes der Welt einen Milliardär, der außer Beleidigungen, Sprüchen und einem kruden Wirtschaftsprogramm nicht viel zu bieten hat?

Tatsächlich schaffte es Trump, die Stimmung in den USA genial einzufangen. Er konnte glänzend vorgeben, für die tatsächlichen und gefühlten Absteiger zu sprechen. Dabei ging es ihm nicht in erster Linie um die Armen und Minderverdiener der Gesellschaft, die nach wie vor mehrheitlich für Hillary Clinton votierten. Es ging ihm um die Durchschnittsverdiener, die seit Jahrzehnten kaum Einkommenszuwächse erzielten und nicht einmal Geld genug haben, ihre Kinder aufs College oder die Universität zu schicken.

Die Ursache für die relative Armut dieser Gruppen liegt in der Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der realen Ökonomie. Die finanziellen Übertreibungen der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts und des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts mündeten bekanntlich in die Finanz- und Immobilienkrise, die viele Amerikaner ins Abseits stellte oder ihnen die Unsicherheit ihres Geldvermögens vor Augen führte. Soziologen haben immer davor gewarnt, dass die Finanzkrisen und Teilenteignungen der Sparer zu politischem Radikalismus führen können. Der zeigte sich in den 30er Jahren im Rechtsextremismus, nach der Finanzkrise von 2007/2008 im Rechtspopulismus.

Am vorangegangenen Finanz-Boom waren etablierte Politiker durchaus beteiligt. Ausgerechnet Hillary Clintons Ehemann Bill schaffte in den 90er Jahren alle Restriktionen bei der Finanzierung von Eigenheimen ab. Er gaukelte der unteren Mittelschicht vor, die eigenen vier Wände problemlos finanzieren zu können. Das erwies sich als Trugschluss. Seine Ehefrau Hillary badete diese fatalen Fehler aus. Denn wer sein Vermögen verloren hat oder zu verlieren droht, wählt den Anti-Kandidaten - gewissermaßen um nicht vergessen zu werden.

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Quelle: RP
 
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