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Kolumne: Der Ökonom
Netzneutralität ist nicht allein selig machend

Düsseldorf. Internetaktivisten sehen in der Netzneutralität die Magna Charta des demokratischen Netzzugangs. Doch der hehre Grundsatz hat auch gravierende ökonomische Nachteile. Von Martin Kessler

Über die jüngste EU-Verordnung zur Netzneutralität jubelten die Netzaktivisten. "Das freie Internet hat Vorfahrt", hieß es allenthalben in der europäischen Internetgemeinde. Schaut man genauer hin, muss die Netzneutralität, also die Gleichbehandlung aller Datenpakete, zu der sich Netzbetreiber wie die Telekom oder Vodafone künftig verpflichten müssen, nicht immer im Sinne der Verbraucher sein.

Im einfachen Modell mit einem Inhalte-Anbieter (etwa dem Filmdienst Netflix) und einem Netzbetreiber (Telekom) ist es egal, ob Netzneutralität gewährleistet ist oder nicht. Der Kunde kommt in jedem Fall auf seine Kosten. Denn sollte die Telekom ein Terminierungsentgelt von Netflix verlangen, um die Durchleitung der Filme in guter Qualität zu sichern, wird der Streaming-Anbieter seinerseits die Abo-Gebühren heraufsetzen. Um die Nachfrage nicht einbrechen zu lassen, müsste die Telekom ihre Tarife für die Endkunden absenken. Am Ende würden beide gleich verdienen.

Schwieriger wird es, wenn die Geschäftsmodelle der Inhalte-Anbieter variieren, wenn etwa Dienstleister wie Facebook oder Google auf Werbung setzen, während andere wie Amazon oder Netflix von den Kunden Abo-Gebühren nehmen. Je heterogener die Firmen sind, die über das Internet Dienste anbieten, desto stärker müssen die Behörden auf Netzneutralität setzen. Denn nur so kommen möglichst viele Anbieter zusammen, deren Dienste die Kunden nutzen könnten.

Variieren jedoch die Wünsche der Kunden, weil sie etwa über das Internet in 3-D-Qualität ("augmented reality") miteinander kommunizieren wollen, wäre Netzneutralität schädlich. Die Netzbetreiber würden kaum ihre Leitungen aufrüsten, wenn sie dafür nicht bezahlt würden. Hier wären bezahlte Schnellzugänge effizienter. Netzneutralität kann also gut oder weniger gut für den Verbraucher sein. Es kommt eben auf die Umstände an.

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Quelle: RP
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