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Kolumne: Der Ökonom
Warum Frauen weniger als Männer verdienen

Der Lohnabstand zwischen den Geschlechtern liegt seit 20 Jahren konstant bei rund 20 Prozent. Es schein wie ein Naturgesetz zu sein. Aber der Abstand wird schrumpfen.

Es ist wie verhext. Seit Jahrzehnten kämpfen Reformer für die Lohngleichheit der Geschlechter. Aber trotz des Ausbaus der Kinderbetreuung, trotz der Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen und trotz der Zunahme des weiblichen Anteils bei Studenten und im Führungspersonal hält sich der Lohnabstand seit 1995 bei 20 bis 22 Prozent. Und selbst wenn man Teilzeit oder mangelnden Aufstieg herausrechnet, bleibt eine Differenz, die sich wie eine Diskriminierung ausnimmt.

Woran liegt das? Und ist es zu ändern? Der Nobelpreisträger Gary S. Becker hat die Ökonomik der Diskriminierung entwickelt. Er sieht sie als Minderschätzung aufgrund von Geschlecht, Rasse oder Religion. Wenn Arbeitgeber sich weigern, solche Menschen einzustellen, übersteigt dort das Arbeitsangebot die -nachfrage. Der Lohn sinkt. Wenn alle Gruppen gleich produktiv sind, machen Arbeitgeber, die nicht diskriminieren, höhere Gewinne und verdrängen die anderen. Es kommt infolge der steigenden Nachfrage nach den billigeren Arbeitskräften zur Lohnangleichung.

Damit hat Becker die Diskriminierung wegtheoretisiert. Er hat aber auch aufgezeigt, dass eine willkürliche Diskriminierung nicht ausreicht, den Lohn auf Dauer niedrig zu halten. Wenn die Unterschiede anhalten, liegt es an anderen Ursachen. Eine dürfte in der Doppelbelastung vieler Frauen mit Erziehung und Beruf liegen, die sie mitunter weniger produktiv im Job macht. Die zweite ist die Auswahl der Ausbildung. Wenn technische Berufe mehr bringen als kaufmännische, geisteswissenschaftliche oder soziale, ändert sich der Lohnabstand erst, wenn sich die Ausbildung zwischen den Geschlechtern angleicht. Oft gehen Männer auch höhere Risiken ein und erreichen so höhere Löhne.

Klar ist, dass sich das Verhältnis künftig stärker angleicht, wenn Frauen vermehrt lukrativere Berufe anstreben und sich das Problem der Doppelbelastung entschärft. Es wird aber einige Zeit dauern.

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Quelle: RP
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