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Kolumne: Die Ökonomin
Ein Hoch auf die Spekulanten

Gabriel kritisiert die Deutsche Bank wegen Spekulantentums. Dabei braucht das Land Spekulanten. Was es nicht braucht, sind kriminelle Banker und wendige Partei-Chefs.

Da hat Sigmar Gabriel es der Deutschen Bank aber gezeigt: "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder wütend werden soll, wenn sich die Bank, die Spekulantentum zum Geschäftsmodell erklärt hat, zum Opfer von Spekulanten erklärt", hat der Wirtschaftsminister gesagt. Der Wirtschaftsminister? Nein, es war der Parteichef, der sprach und für wärmendes Feuer im kalten Tal der Demoskopie sorgen wollte. Er hätte mit Brecht nachwürzen können: "Was ist schon ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"

Es ist nicht das erste Mal, dass Gabriel den Minister vergisst und nur SPD-Chef ist. Als Wirtschaftsminister einer Exportnation war Gabriel erst für das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU. Doch als TTIP unter Beschuss kam, erklärte er es als Parteichef für tot.

Anders als Gabriel meint, ist "das Spekulantentum" wichtig für eine Volkswirtschaft. Nur wenn es Anleger gibt, die risikobereiter sind als andere, haben disruptive Geschäftsmodelle eine Chance - Geschäftsmodelle, die mit allem brechen, was es zuvor gab. Wagemut muss mit höheren Renditen belohnt werden, sonst sterben die Wagemutigen aus. 300 Jahre war der Kapitalismus eine Geschichte des Kapitalmangels. Ohne Spekulanten, die ihr Geld in abenteuerlichen Unternehmungen riskierten, gäbe es keine Eisenbahn, kein Penicillin, kein iPhone. Nur heißen Spekulanten heute Investmentbanker oder Venture Capitalists.

Das Problem der Deutschen Bank sind nicht ihre spekulativen Geschäfte, sondern ihre kriminellen. Die US-Justiz fordert 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) wegen umstrittener Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise. Sie soll Ausfallrisiken an ahnungslose Anleger weiterverkauft haben. Dass John Cryan sein Institut nach dem Kurseinbruch zum Opfer von Spekulanten erklärt, zeigt seine Hilflosigkeit. Man kann Gabriel nur wünschen, dass er nie über die Rettung dieser systemrelevanten Bank entscheiden muss. Er müsste sie retten - Spekulanten hin oder her.

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Quelle: RP
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