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Kolumne: Die Ökonomin
Ein Stups für Steuerzahler und Organspender

"Nudging" heißt eine Methode, um das Verhalten von Bürgern zu ändern. Von Antje Höning

Und, schon die Steuererklärung für 2016 vorbereitet? Warum nicht mal früh anfangen? Es muss ja nicht immer Mai werden. Wenn sich jetzt Ihr Ehrgeiz regt, zeigt sich, dass Nudging funktioniert. Nudging (englisch für "an-stupsen") ist eine Methode, um das Verhalten anderer zu ändern.

Erste Länder haben damit Erfolg. Britische Finanzämter haben Bürgern Briefe geschickt mit dem Hinweis "Neun von zehn Briten zahlen ihre Steuern pünktlich, und in Ihrer Nachbarschaft haben die meisten schon bezahlt". Der Hinweis auf die gesellschaftliche Norm soll nachlässige Briten anstupsen - und tatsächlich: Kurz darauf zahlten 83 Prozent der Empfänger ihre Steuer, in einer Vergleichsgruppe ohne Stups-Post waren es nur 68 Prozent. Im Kampf gegen den Müll pinselte man in Kopenhagen grüne Fußabdrücke auf die Bürgersteige, die die Bürger sanft zum nächsten Papierkorb lenken.

Ersonnen haben das Konzept die US-Professoren Richard Thaler und Cass Sunstein 2008. Sie wissen, dass Werbung schon lange über Nudging läuft und sich die Methode auch zur Manipulation eignet. Daher fordern sie, dass Politik sich an Regeln hält: Das Ziel muss wohlfahrtsfördernd sein, das Nudigung transparent, und jeder Bürger muss das Recht haben, den Stups zu ignorieren.

So wie in Österreich: Um die Zahl der Organspenden zu erhöhen, drehte der Staat das Zustimmungsverfahren um. Hier ist man nach dem Tod automatisch Spender, es sei denn, man hat zu Lebzeiten aktiv widersprochen. In Deutschland muss man sich dagegen aktiv zum Spender erklären. Österreich nutzt die Trägheit des Menschen aus - transparent, offen, für ein gutes Ziel. Warum übernehmen wir das nicht? 10.000 Kranke warten auf Spenderorgane, viele sterben, bevor sie an der Reihe sind. Hier liegt eine dankbare Aufgabe für die Nudging-Experten, die das Kanzleramt 2015 eingestellt und von denen man bisher wenig gehört hat.

Fragen? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de.

Quelle: RP
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