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Kolumne: Die Ökonomin
Fitnessarmbänder, der Spion am Handgelenk

Fitnessarmbänder erziehen Menschen zu gesünderem Leben. Zugleich sind sie Datenjäger - und können das Aus für die private Krankenversicherung bedeuten. Von Antje Höning

Fitnessarmbänder werden immer beliebter: Marktführer Fitbit hat schon 20 Millionen "Tracker" verkauft. Jüngst zog Apple nach. Wer ein besserer Mensch werden will, lässt Schritte zählen und Puls messen. Die Bänder zeigen dem Besitzer Leistungskurven und schlagen an, wenn es Zeit wird, die Couch zu verlassen. Feine Sache.

Fein, aber gefährlich. Wenn die Daten, die die Spione am Handgelenk erheben, auf Servern der beteiligten Unternehmen landen, können diese sie nutzen, um den Kunden gezielt zu bewerben. Weiß der Kunde das? Will er das? Zum grundsätzlichen Problem wird die Sache, wenn die Daten in die Hände von Versicherungen gelangen. Eine Versicherung beruht auf dem Prinzip, dass sich Menschen mit unterschiedlichen und unbekannten Risiken zusammenschließen. Vielen zahlen kleine Beiträge, damit wenigen bei großem Schaden geholfen werden kann. Das Ganze funktioniert (bei freiwilligen Policen) nur, wenn weder Kunden noch Versicherer einen Info-Vorsprung haben.

Das Problem, dass der Kunde mehr weiß als die Versicherung, heißt in der ökonomischen Theorie "Adverse Selektion". Danach besteht die Tendenz, dass Menschen abwandern, die wissen, dass sie gute Risiken sind. Der Versicherer muss den Beitrag erhöhen, auch mittelgute Risiken wandern ab - im Extremfall bricht der Markt zusammen.

Mit Fitnessarmbändern könnte plötzlich der Versicherer mehr wissen als sein Kunde. Private Assekuranzen könnten etwa Bürger ablehnen, aus deren Bewegungs-Daten sich ein hohes Herzinfarkt-Risiko ergibt. Oder sie verlangen so hohe Beiträge, dass der Bürger von sich aus verzichtet - obwohl doch gerade er Versicherungsschutz braucht.

Kurzum: Wer auf das hippe Band nicht verzichten will, sollte die Datenverwertung unterbinden. Der Gesetzgeber sollte Krankenversicherungen jeden Zugriff verbieten - wie er ihnen Gentests untersagt hat. Aus guten ökonomischen Gründen gibt es ein Recht auf Nichtwissen.

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Quelle: RP
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