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Kolumne: Die Ökonomin
Männlich, arm, Raucher

Kolumne: Die Ökonomin: Männlich, arm, Raucher
FOTO: Höning
Düsseldorf. Früher war Rauchen angesagt, nun wird es zum Unterschichts-Phänomen. Beim Kampf gegen das Nikotin sind andere Länder weiter. Höchste Zeit, die Tabaksteuer zu erhöhen. Von Antje Höning

Vor 50 Jahren war Rauchen in: Im Büro, im Auto, im Fernsehen - überall wurde gequalmt. Werner Höfers TV-"Frühschoppen" verschwand bisweilen im Qualm. Dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass Rauchen schadet. Heute sind Flugzeuge und Kneipen Nichtraucher-Zonen, Betriebe verbannen Raucher in zugige Kabinen. Gut so. Raucher gefährden sich selbst (jeder siebte stirbt an den Folgen) und belästigen ihre Mitmenschen.

Die gesellschaftlichen Kosten des Rauchens (medizinische Versorgung, Ausfälle, Frührente) liegen laut Krankenkassen bei 79 Milliarden Euro im Jahr - das können 14 Milliarden Euro Tabaksteuer nicht aufwiegen. Andere Länder sind weiter, wie der gestern von der OECD vorgelegte Gesundheitsreport zeigt.

Danach hängen im Schnitt der OECD-Länder 18,4 Prozent der Bürger täglich am Glimmstängel. In Schweden, Norwegen und den USA sind es nur elf Prozent. Deutschland hat dagegen mit 20,9 Prozent deutlich mehr Raucher. Männer qualmen öfter als Frauen. Fürsorgeempfänger viel häufiger als Normalverdiener, Rauchen wird zum Unterschichts-Phänomen.

Die hohe Raucherquote liegt auch an einer Politik, die lieber auf die Industrie als die Ärzte hört. Bei einer im Medizin-Blatt "Lancet" veröffentlichten Studie zur Tabak-Kontrollpolitik landete Deutschland auf einem der letzten Plätze. Eine EU-Richtlinie sieht eigentlich vor, Tabakwerbung auf Plakaten und in Kinos zu verbieten. Auch der Gesundheitsminister war dafür. Doch seine große Koalition ließ einen Gesetzesvorstoß dazu versauern. Qualmende Cowboys dürfen weiter reiten.

Höchste Zeit, wenigstens die Tabaksteuer zu erhöhen. Australien hat es vorgemacht: Seit eine Packung dort 20 Euro kostet, geht die Raucherquote runter. Raucher sind zwar wie alle Süchtigen preisunelastisch. Doch irgendwann hört auch für sie der Spaß auf.

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