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Kolumne: Die Ökonomin
Mit Kafka im Krankenhaus

Patienten kann es in der Klinik gehen wie dem Landvermesser in Kafkas "Schloss". Bürokratie und Fehlanreize für Chefärzte treiben die Kosten.

Krankenhäuser zählen zu den Kostentreibern im Gesundheitswesen. Ein Drittel der Gesundheitsausgaben entfallen auf sie. Und die Kosten steigen. Das liegt zum einen am medizinischen Fortschritt, das liegt aber auch an Ineffizienzen und Fehlanreizen.

Als Kliniken noch in Abhängigkeit von der Verweildauer der Patienten honoriert wurden, hielten sie diese besonders lange fest. Seit es Fallpauschalen gibt, hat sich die durchschnittliche Liegezeit verringert (auf sieben Tage). Doch seither versucht manche Klinik, besonders viele Operationen durchzuführen. Kassen und Minister beklagen regelmäßig, dass Deutschland Spitzenreiter bei Hüft- und Knie-Ersatz ist.

Fehlanreize setzt auch das System der Chefarzt-Honorierung. Wer etwa als Privatpatient mit Armbruch in eine Uniklinik eingeliefert wird, kann dies erleben: Er wird nicht einfach gut behandelt, sondern vor allem bürokratisch verfolgt. Unfallchirurg, Anästhesist, Radiologe - bevor auch nur ein Knochen gerichtet wird, soll der Patient allerlei Wahlleistungsverträge zugunsten des Chefarztes unterschreiben. Dabei gibt es gute Gründe, sich gerade nicht vom Chef behandeln zu lassen. Der hat wegen anderer Aufgaben kaum noch Routine im OP.

Ineffizient zeigt sich auch manche Verwaltung. In großen Häusern weiß oft die eine Hand nicht, was die andere tut. Da kann es vorkommen, dass man gleich von drei Sekretariaten stationär aufgenommen wird - und kurz vor der Narkose noch immer nicht im zentralen Klinik-Computer angekommen ist.

Schnell fühlen sich Patienten wie der Landvermesser K. aus Kafkas Roman "Das Schloss". Beim Versuch, eine Aufenthaltsberechtigung zu bekommen, gerät K. in die Mühlen einer Hierarchie, deren Spitzen er nie zu sehen bekommt, deren Sekretäre ihn aber mit umständlichen Ansagen quälen. Nachfragen von K. sind unerwünscht - von Patienten auch. Oder wie ist sonst das Poster am Empfang jener Uniklinik zu verstehen? Darauf ist eine dicke Katze abgebildet mit dem Ratschlag an die Angestellten: "Lächele, du kannst sie nicht alle fressen." Patienten als Mäuse zum Fressen? Höchste Zeit, weitere Anreize zu ändern.

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Quelle: RP
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