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Kolumne: Die Ökonomin
Rente mit 70 ist machbar

Im Wahlkampf wollte keiner an das Thema ran. Doch mit der Alterung der Babyboomer wird es drängend: Wer die Renten nicht senken will, muss das Eintrittsalter erhöhen.

Im TV-Duell waren sich Angela Merkel und Martin Schulz einig: Eine Anhebung des Renteneintrittsalters wird es nicht geben. "Ein ganz klares Nein. Es gibt viele Menschen, die können nicht länger arbeiten", sagte die Kanzlerin. Das Volk ist zufrieden, der Experte entsetzt. Die gute Konjunktur der letzten Jahre hätte der Regierung die Chance eröffnet, ihre Politik an der langen Frist auszurichten, schreiben nun die Forscher in ihrem Herbstgutachten. Doch das sei nicht geschehen. Die große Koalition hat Politik im Stil der drei Affen gemacht- nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Dabei ist das Problem ab 2030 offenkundig: Wenn die Babyboomer, die selbst viele sind, aber nur wenig Kinder haben, aus dem Job ausscheiden, fehlen der Kasse Milliarden. Heute kommen auf 100 Jüngere (zwischen 20 und 65) 34 Ältere. 2040 werden es 57 Ältere sein.

Rentenpolitik ist ein magisches Dreieck, aus dem man sich nicht heraustalken kann. Die Forscher sagen es so: Soll ein Anstieg des Rentenalters vermieden werden, ohne die Beiträge zu erhöhen, dann müssen die "Leistungszusagen" (also Renten) sinken. Da es das in einem Land nicht geben wird, in dem schon jetzt gut ein Drittel der Wähler über 60 ist, wird man um einen späteren Ruhestand nicht herumkommen.

FDP und Grüne wollen es den Menschen selbst zu überlassen, wann sie in den Ruhestand gehen. Das heißt bei einer Versicherung, die nach dem Äquivalenzprinzip funktioniert, übrigens nichts anderes als dies: Wer früher gehen will, darf das - muss aber höhere Abschläge in Kauf nehmen.

Die Rente mit 70 ist gerecht: Wer in den 1950ern in den Ruhestand ging, lebte im Schnitt noch neun Jahre, heute sind es 20. Von der längeren Lebenszeit muss auch die Rentenkasse profitieren. Die Rente mit 70 ist machbar: Betriebe können Arbeit anders organisieren, Beschäftigte auch mit 65 noch lernen. Isländer arbeiten heute schon im Schnitt bis 69. Hier findet man auch für den Dachdecker eine Lösung.

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Quelle: RP
 
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